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Laternenfest in Bad Homburg Leuchtende Tradition

Tausende feiern das Laternenfest in Bad Homburg - nur die Laternenkönigin muss stundenlang alleine auf ihrem Thron sitzen.

Laternenfest
Annika Sötje aus Friedrichsdorf macht Seifenblasen mit der leuchtendem Einhornseifenblasenmaschine. Foto: Michael Schick

Das Protokoll scheint es so zu wollen, die Königin muss ganz alleine Stunden auf ihrem prunkvollen Wagen sitzen. Auf ihrem königlichen Thron, umgeben von einem Blumen- und Lichtermeer. Huldvoll und freudig zu lächeln und zu winken ist ihre Aufgabe, die Volksmenge jubelt ihr zu und erweist ihr die Ehre zwischen dem Ortsteil Kirdorf und der Promenade bis hinunter zum Kurhaus. Am zweiten Abend wird sie aus dem Süden der Stadt anreisen, wieder allein auf ihrem so schön inszenierten Thron. Alle Kurstädter und ihre Gäste sollen etwas von der Regentin des größten Festes im Jahreslauf haben. Schicksalsstunden einer Laternenkönigin. „Ich weiß auch nicht wieso das so ist“, sinniert eine erfahrene Bad Homburger Laternenfestumzug-Besucherin. „Aber das ist immer so.“

Tradition verpflichtet, könnte es das sein? Zum 73. Mal wird das Laternenfest gefeiert, alle Jahre zieht es Unmengen von Menschen in die Stadt, die für dichtes Gedränge vom Rathaus über den Kurhaus-Vorplatz, der Einkaufsmeile Louisenstraße hinauf über die Ritter-von-Marx-Brücke bis zum Rummelplatz am Heuchelbach sorgen. Es ist schwer, hier Spuren von Tradition zu finden, die volle musikalische, lichttechnische und olfaktorische Dröhnung auf jedem Meter Festgelände fordert und lähmt die Sinne gleichermaßen. Bei Einbruch der Dunkelheit ist es im Zentrum des Festes ein permanentes schiebendes Drängen.

Doch da kommen Gabi und Günter ganz gelassen um die Ecke. Gabi mit einer dieser kleinen Leuchtlaternen aus der Urzeit des Festes. Rot oder grün leuchtend, bescheiden und ohne Geflimmer. Eben ein Laternchen zum Fest, wie sie einst in Groß den Straßenrand säumten, im Taschenformat gespeist von einer Flachbatterie. Erstmalig und extra für das Laternenfest 2018 haben sie jetzt einen LED-Leuchtpin designt, drei Laternchen können darauf in Varianten aufleuchten. Nächstes Jahr wird er anders aussehen, soll ein „Sammelpin“ werden. „Wenn man sie gut behandelt, reichen sie für ein ganzes Leben“, sagt Gabi über ihre traditionelle Laterne. Es gibt sie noch, vor dem Kurhaus für acht Euro.

Der Zeit getrotzt hat Madame Novredana. Wie jedes Jahr steht ihr brauner Zauberwagen gegenüber vom Karstadt. Was auf der Hand liegt, erzählt sie ihren Gästen, für 13 Euro. Im Traumdeuten ist sie auch gut. Wenn sie Besuch hat, ist die Tür zu und die Jalousie runtergelassen. Was drinnen gesprochen wird, geht niemanden draußen etwas an.

Eine Insel im Lärm des Festes ist auch das Badische Weinkontor in der verlängerten Promenade. Hier treffen sich Homburger ohne Live-Musik, ausgeschenkt wird das klassische badische „Viertel“. Wenn die Laternenkönigin in der Mitte des Zuges vorbeikommt, gehen alle aus dem Hof zur Straße vor, freuen sich an der Beleuchtung umliegender Fenster und Balkone, an gebliebener Tradition. Ach ja, auf andere müssen sie im 73. Jahr leider verzichten. Das Feuerwerk zum Abschluss und das Windhunderennen mussten aufgrund der Wetterlage aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Stattdessen gibt es heute Abend im Jubiläumspark eine „Illumination mit bodennahen Leuchteffekten“. Und im Festgebiet in der Innenstadt tobt der Bär noch bis Mitternacht.

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