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Langen Jugendarbeit in Langen lediglich auf Zeit

Eine Streetworkerin hilft Jugendlichen in Langen, die Kurve zu kriegen. Das Programm, über das sie bezahlt wird, läuft aber bereits Ende 2018 aus.

Streetworkerin
Julia Pöhler stärkt die Langener Jugend im Quartier. Foto: Rolf Oeser

An der frischen Luft ist Julia Pöhler häufig, das bringt ihr Beruf so mit sich. Die 26-Jährige ist seit September vorigen Jahres als Sozialarbeiterin im Jugendzentrum Langen für das Bundesprojekt „Jugend stärken im Quartier“ tätig: „Meine Stelle besteht zu 50 Prozent aus aufsuchender Jugendarbeit“, sagt sie.

Im Nordend sucht sie an den Treffpunkten der Jugendlichen das Gespräch. „Etwa, ob sie Probleme in der Schule haben oder ob sie eine Ausbildungsplatz suchen – also schon Streetworking.“ Aufsuchende Sozialarbeit sei nicht nur in Großstädten wie Frankfurt wichtig, sondern auch in Langen mit seinen knapp 37 000 Einwohnern. „Es gibt in allen Städten Jugendliche, die durch das Raster fallen“, sagt die studierte Mittelschullehrerin. „Wichtig ist es, sie zu erreichen, bevor es zu Problemen kommt.“

Weitere 50 Prozent ihrer Stelle sind für „Mikroprojekte“ vorgesehen. So gründete Pöhler im Jugendzentrum schon eine Boxgruppe: Rund 40 Jugendliche trainieren freitags gemeinsam, danach ist Zeit für Gespräche. „Das Boxen ist hilfreich: Damit erreiche ich Jugendliche, die sonst nicht kommen würden.“

Sie bespricht mit Jugendlichen, wie diese sich ihre Zukunft vorstellen oder hilft bei Bewerbungen. „Manche brauchen einen kleinen Anstoß, damit sie in ihrem Leben die Kurve bekommen“, sagt Pöhler. Auch komme es vor, dass sie bei Jugendlichen morgens an der Tür klingele und sie zur Praktikumsstelle begleite.

Wichtiges Projekt für Langen

„Das Projekt ist sehr wichtig für Langen“, betont Martina Waidelich, Fachdienstleiterin für Migration, Jugend und Spielplätze. Allerdings bemängelt sie einen „bürokratischen Wermutstropfen“: Für die Förderung verlange das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) in Köln Einwilligungserklärungen der Jugendlichen mit umfassenden Antworten auf Fragen wie „Lebt in Ihrem Haushalt mindestens ein unterhaltsberechtigtes bzw. wirtschaftlich abhängiges Kind unter 25 Jahren?“

Solche Fragen seien den jungen Leuten kaum vermittelbar. „Ich stelle die Fragen deshalb immer im Gespräch in meinen eigenen Worten“, erläutert Pöhler. Sie habe Verständnis dafür, dass das Bundesamt wissen möchte, wer durch das Projekt erreicht werde. „Aber etwas weniger bürokratisch formulierte Fragen hätten es auch getan.“ Gerade für Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen sei das eine erhebliche Hürde.

Problematisch sei auch die Abhängigkeit der notwendigen Sozialarbeit von verschiedenen Programmen. Das Programm, über das Pöhler bezahlt wird, wird Ende 2018 auslaufen. „Es ist tragisch, dass wir nur zeitlich befristet einstellen können“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD), „die Probleme in den Stadtvierteln verschwinden nicht nach Ablauf der Förderzeit“.

Gebhardt plädiert deshalb für eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen durch Bund und Land. „Sonst sind wir immer auf der Suche nach einem Nachfolgeprogramm, um die gut etablierten Projekte weiterführen zu können.“ Auch für bewährte Kräfte wie Streetworkerin Pöhler sei es nur fair, sie dauerhaft als Mitarbeiterin zu gewinnen.

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