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Landwirtschaft Kleine Körner, faule Kartoffeln

Die Wetterextreme machen Landwirten in Hessen zu schaffen. Die Feuchtigkeit fördert Pilzkrankheiten an Getreide, für den Spargel war es zu kalt - und die Erdbeeren sind gefault.

Mähdrescher volle Kraft voraus: Die Getreideernte läuft auf Hochtouren. Foto: dpa

Bauern in Südhessen sind enttäuscht: Noch im Juni sahen die Halme auf den Getreidefeldern prächtig aus. Doch die ersten Ernteergebnisse, sagt Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das betreffe vor allem die Qualität. Die Korngewichte seien gering. Für die hessischen Braugerstenerzeuger, die am Mittwoch in Riedstadt eine erste Bilanz zogen, bedeutet das zum Teil unverkäufliche Bestände. Um Gerstenmalz zu gewinnen, müssen die Körner eine ausreichende Größe haben, erklärt Bernd Weber, Pressesprecher des Bauernverbandes. Dieser sogenannte Vollgerstenanteil, der eigentlich bei 90 Prozent liege, erreiche in diesem Jahr teils nur 70 Prozent. In solchen Fällen könne das Getreide nur billiger zu Futterzwecken verkauft werden. Bei der Wintergerste sei die Qualität zum Teil so schlecht gewesen, dass die Bauern das minderwertige Getreide nur noch auf dem eigenen Hof an Schweine und Rinder verfüttern können.

Verantwortlich ist die Nässe. Zwar sei viel Regen prinzipiell förderlich für das Wachstum. „Aber zuviel tut auch nicht gut“, sagt Weber. Es gab Staunässe an den Wurzeln, Sauerstoffmangel ließ die Pflanzen schwächeln. Und weil die Sonne fehlte, gediehen die Körner schlecht, dazu kamen Unwetter, die manche Felder niederdrückten.

In diesem Jahr hat die Getreideernte Anfang Juli begonnen – in allen Teilen Hessens zur gleichen Zeit, auch das ist eine Ausnahme. Üblicherweise steigen die nordhessischen Bauern zwei Wochen später auf die Mähdrescher. Doch im Norden schien die Sonne häufiger, das Getreide wuchs genauso schnell wie im Süden.

Auch Pilzkrankheiten, die durch die feuchte Witterung gefördert wurden, mindern die Ernte. „Wer nicht rechtzeitig und ausreichend Fungizide spritzen konnte, hat etwa ein Viertel weniger Ertrag“, sagt Bauernpräsident Schmal.

Landwirte mit Sonderkulturen hatten bisher auch nicht mehr Glück. „Für den Spargel war es zu kalt, die Erdbeeren sind gefault, die Kirschen waren zum Teil verhagelt“, bringt Schmal die Misere auf den Punkt. Wie es derzeit aussieht, geraten nach den Milchbauern nun auch die hessischen Getreideerzeuger unter Druck. Europaweit werde eine gute Ernte erwartet, es gebe noch Lagerbestände aus guten Ernten, das drückt die Preise. „Die Erlössituation ist schlecht“, sagt Schmal.

Auch Kartoffeln dürfte es dieses Jahr weniger geben. Die Kraut- und Knollenfäule wütet, eine Pilzkrankheit, die ebenfalls durch Nässe ausgelöst wird. „Auf manchen Äckern gibt es Einbußen bis zu 100 Prozent“, sagt Weber. Im Gegensatz zum Getreide lassen sich geringere Erträge jedoch ausgleichen. „Die Kartoffelpreise sind derzeit sehr hoch“, sagt Biobauer Götz Wollinsky aus Reichelsheim. In diesem Jahr hänge der Ertrag entscheidend von der Sorte ab. Robustere Züchtungen wurden weniger stark angegriffen.

Doch nicht nur die Fäule mindert die Kartoffelernte, sagt Wollinsky. Die kurzen und heftigen Hitzetage führen dazu, dass der verschlammte Boden schnell austrocknet und aufreißt. Das Licht, das an die Knollen kommt, macht sie grün und ungenießbar. Bis zu 25 Prozent der Kartoffeln müssten daher aussortiert werden.

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