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Landwirtschaft in Hessen Bio-Spinat enthält Pflanzengift

Ein Biobauer aus Südhessen wässert seinen Spinat mit Grundwasser aus dem Ried. Dabei belastet er unwissentlich das Gemüse mit dem Pflanzenschutzmittel Dikegulac.

Landwirtschaft in Hessen
Ein Landwirt bewässert seine Felder. (Symbolbild) Foto: Imago

Das Pflanzenschutzmittel heißt Dikegulac. Bis zur Einstellung der Produktion fiel es bei der Produktion von Ascorbinsäure an, teilt das Darmstädter Unternehmen Merck mit. Knapp 20 Jahre später ist der Stoff immer noch in nennenswerter Menge im Grundwasser im Ried zu finden: Ein Biobauer aus Südhessen darf seinen Spinat nicht verkaufen, weil er ihn unwissentlich über die Bewässerung mit Grundwasser mit Dikegulac belastet hat. 

Darauf wies jetzt der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen hin. „Tragisch“ nennt Vorsitzender Jörg Nitsch den Ernteausfall. Eine persönliche Verantwortung treffe den Biobauern nicht: „Jeder Landwirt und jeder Gartenbesitzer muss sich darauf verlassen können, dass das Grundwasser sauber ist und keine Gifte enthält, die Feldfrüchte belasten“, meint Nitsch und befürchtet Schlimmes: „Die Verschmutzung des Grundwassers im Ried ist offenbar problematischer als bisher angenommen.“ Die Landesregierung müsse nun verhindern, dass kritisch belastetes Grundwasser zur Bewässerung von Gemüsefeldern und Äckern benutzt wird. Des Weiteren solle sie den betroffenen Landwirten Möglichkeiten und Grenzen der künftigen Bewirtschaftung aufzeigen, fordert Nitsch.

Die Darmstädter Firma Merck bestätigt auf FR-Anfrage: „Die Sedimentbelastung des Landgrabens im Hessischen Ried mit Dikegulac ist bekannt.“ Jahrzehntelang sei der Stoff nicht als umweltgefährdend eingeordnet worden. „Die Produktion von Ascorbinsäure entsprach stets den gesetzlichen und behördlichen Bestimmungen“, versichert Unternehmenssprecher Markus Kaiser. Merck arbeite bei allen Fragen der Abwasserbehandlung und des Grundwasserschutzes eng mit den zuständigen Behörden zusammen. 

Aus dem hessischen Umweltministerium heißt es, die jetzt eingeschlagene Spurenstoffstrategie habe das Ziel, das Grundwasser im Ried besser zu schützen und die weitere Belastung zu minimieren. Angelegt sei das Projekt allerdings auf viele Jahre, ergänzt Sprecher Mischa Brüssel de Laskay. Eine Sanierung des Grundwassers sei technisch nicht möglich. Zum Spinat will er sich nicht äußern.

„Seit dem Spurenstoffgutachten Hessisches Ried von 2016 ist bekannt, dass das Grundwasser im Hessischen Ried teilweise mit Schadstoffen belastet ist“, kontert Nitsch. Doch bisher sei der BUND davon ausgegangen, dass diese Belastungen keine unmittelbaren Folgen haben. „Nach dem Fall des Biobauern, der nun seinen Spinat nicht verkaufen darf, muss hier möglicherweise eine Neubewertung erfolgen“, meint er. Auf jeden Fall zeige sich, wie wichtig die konsequente weitere Vorsorge sei. Daher begrüßt der Umweltschützer die Spurenstoffstrategie des Landes, zu der auch die Nachrüstung von Kläranlagen gehört. „Dieser Weg muss konsequent weiter beschritten werden.“

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