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Landgericht Frankfurt Kickers-Fans singen NS-Lieder

Zwei Fans der Offenbacher Kickers werden wegen des Absingens von NS-Liedern zu einer Geldstrafe in Höhe von jeweils 250 Euro verurteilt. Die Brüder geben sich geläutert.

Das Amtsgericht Frankfurt hat eine Prostituierte frei gesprochen. Foto: ddp

Es ist der Vormittag des großen Pokalachtelfinales gegen die Borussen aus Mönchengladbach. Aber die Gebrüder W. fiebern einem ganz anderen Ergebnis entgegen: dem Ausgang des Strafprozesses vor dem Frankfurter Landgericht, wo sich Daniel (24 Jahre alt) und Christopher (26) verantworten müssen, weil sie im März 2013 das gemacht haben, was man laut Christopher als Fan der Offenbacher Kickers halt am Wochenende so macht: „Man fährt auswärts, trinkt was und singt Lieder.“

Unschön dabei ist lediglich, dass es sich bei einem der Lieder um das Stück „Mein Opa war Sturmführer bei der SS“ handelte – ein Lied, das sowas von verboten ist, dass der Fall vom Amtsgericht Michelbach, in dessen Hoheitsgebiet sich der Vorfall ereignete, an den Frankfurter Staatsschutzsenat gewandert ist. Jetzt also stehen die beiden vor ihrem Richter, und Volker Kaiser-Klan hat die Faxen der beiden langsam dicke: „Der ,Führer‘ hätte Sie beide wegen Volksschädlichkeit längst weggesperrt. Der hatte arbeitsscheues Gesindel gar nicht gerne.“

Tatsächlich ließe sich über die Gebrüder W. böswillig sagen, dass sie in ihrem bisherigen Leben einen Riesenbogen um ehrliche Arbeit, aber keinen um eine zünftige Schlägerei gemacht haben. Dabei ist Daniel nach eigenen Angaben „ja kein Neonazi, der irgendwelche Hakenkreuze auf dem Körper tätowiert hat“. Auch Christopher verbindet mit dem NS-Regime eine gewisse Skepsis, sagt er: „Also, das waren Völkermörder, ich halte davon gar nix, was soll ich denn sagen?“

Hits vom Obersalzberg

Jedenfalls habe man sich an jenem Tag schlicht besaufen und im Zug ein paar Lieder mitgrölen wollen, später vielleicht mit viel Glück noch was vom Spiel gegen die Kickers aus Stuttgart mitkriegen. Den USB-Stick, auf dem sich besagtes Lied befand, habe man falsch eingeschätzt. „Ich habe gedacht, da wäre normale Musik drauf – Böhse Onkelz und so“, erinnert sich Daniel.

Hier irrte Daniel. Der beschlagnahmte USB-Stick klingt eher wie eine Après-Ski-Hit-Sammlung vom Obersalzberg. Mit Bands wie „Landser“, den „Zillertaler Türkenjägern“ und „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“. Die Lieder tragen Titel wie „Blut muss fließen“ oder „Das Reich kommt wieder“. Es sei halt „eine lustige Runde“ gewesen, man habe „lustig mitsingen wollen“, sagt Christopher. Obwohl man Faschismus eigentlich doof finde. Und die Musik auch. Auch bei ihnen zu Hause, geben die Brüder an, stehe zwischen „Störkraft“ und den „Onkelz“ eine Kuschelrock-CD.

Nachdem sie sich artig vom Nationalsozialismus distanziert haben, verurteilt das Landgericht die beiden zu je 50 Tagessätzen à fünf Euro. Den beschlagnahmten USB-Stick fordern die beiden nicht zurück. „Den können Sie von mir aus verbrennen“, gibt Daniel W. dem Richter einen Entsorgungstipp aus der guten alten Zeit.

Überhaupt geben sich die Brüder mittlerweile geläutert. Zum Fußball gingen sie beide nicht mehr – was durch ein bundesweites Stadionverbot aber auch erheblich erleichtert wird. Man sei jetzt auch nicht mehr so oft besoffen und wolle sich darauf konzentrieren, ein paar Kinder in die Welt zu setzen. Daniel hat mit zweien vorgelegt, Christopher will bald den Ausgleich schaffen – „die Uhr tickt!“. Außerdem hat Christopher seit September einen Führerschein. Und musikalisch geht’s auch gesitteter zu. Christopher hört jetzt lieber Nena, die singe da in einem Lied „Geh, wohin du willst – wir folgen dir ... oder so ähnlich“. Das gefällt ihm irgendwie ganz gut.

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