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Landgericht Frankfurt Durch „Aktenzeichen XY“ zu Diebstahl animiert

Durch die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ fühlen sich zwei Lausbuben dazu animiert, die eigene Familie auszurauben. Jetzt stehen sie vor Gericht.

Symbolfoto Gericht
Justitia ist wachsam (Symbolfoto). Foto: imago

Am Anfang, erinnert sich der heute 21 Jahre alte Hüseyin A. auf der Anklagebank der Jugendkammer des Landgerichts Frankfurt, sei das Fernsehen gewesen. „Wir haben so einen Raub bei „Aktenzeichen XY…ungelöst“ gesehen, der hatte geklappt, und die Täter waren nicht geschnappt. Das fanden wir verlockend.“

Hüseyin A. drücken im Frühjahr 2016 mehrere Tausend Euro Spielschulden, sein Kumpel Erblin G. (22) ist auch nicht gut bei Kasse, beide gucken „XY“ und kommen auf dumme Gedanken. Erschwerend kommt hinzu, dass ihr Kumpel Shanfullah Z. (24) gerade Zores mit seiner Familie hat und diese bei A. und G. verpetzt: Seine Verwandtschaft verdiene durch Wasserhäuschen und Hartz IV recht ordentlich und habe stets viel Geld daheim.

Am 17. März klingeln A. und G. mittags an der Wohnungstür von Z.s Onkel. A., der mal bei der Post gejobbt hat, zieht sich eine alte Postjacke an und spielt den Postboten. Mit Schreckschusspistole und Messer dringen die beiden in die Wohnung ein, knebeln die beiden anwesenden Frauen mit Klebeband, bis ihnen einfällt, dass die denen ja sagen sollen, wo das Geld versteckt ist, woraufhin sie die Frauen wieder entknebeln. Ein kurzer Gang ins Schlafzimmer bringt Goldschmuck im Wert von mehreren Tausend Euro, ein Griff in die Jackentasche des abwesenden Onkels, dessen Wasserhäuschen wirklich sehr gut laufen muss, etwa 38 000 Euro in bar.

Und weil’s so schön war, geht es nahtlos weiter. Wieder schwärzt. Z. eine ihm bekannte Familie an, und am 19. April wird auch diese von A. und G. überfallen, die diesmal noch Kosovare K. (23) und Tayfun O. (22) als Verstärkung mitgenommen haben. Wieder ziehen sie den bei „XY“ geklauten Posttrick durch, wieder wird eine Familie mit dem Tode bedroht und körperlich misshandelt, aber diesmal fällt die Beute mit 3600 Euro in bar und ein wenig Goldschmuck vergleichsweise mager aus, und bei der Flucht werden zwei der Täter erwischt. Die Ermittlung der anderen ist reine Formsache.

„Wir haben es genauso gemacht, wie wir es gesehen haben in der Sendung“, sagt Hüseyin A. vor Gericht – nur das mit dem “…ungelöst“ hat nicht ganz hingehauen. Wie seine Mitangeklagten ist er weitgehend geständig. Und wie seine Mitangeklagten ist er der Meinung, dass alles nicht so brutal abgelaufen sei, wie es die Anklage schildere. „Man hat einen Fehler gemacht“, gibt A. zu – einmal nicht aufgepasst, schon ist man in zwei Raubüberfälle verwickelt. Aber in der U-Haft habe er seine Lektion gelernt, jetzt sei er umgezogen und geläutert und trainiere ehrenamtlich eine Jugendfußballmannschaft. Damit die Kinder nicht zuviel „XY“ glotzen und wie er auf die schiefe Bahn geraten.

Seitdem er von einem Sondereinsatzkommando in der elterlichen Wohnung festgenommen worden sei, klagt A., plagten ihn Schlafstörungen. Und auch schon davor – ob der Morallosigkeit seines Handelns. „Das war schon ganz schön brutal“, gesteht A. denn doch, er sei danach „sentimental total im Arsch“ gewesen. Er scheint der Ansicht zu sein, das sei irgendwie schon Strafe genug.

Der Prozess gegen die fünf jungen Männer wird fortgesetzt. Ein Urteil ist für November geplant.

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