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Landessozialbericht Zum Reichtum in Hessen gibt es kaum Daten

Im Landessozialbericht kommen immer wieder die Betroffenen selbst zu Wort. Leser erfahren viel über Armut, aber wenig über Reichtum in Hessen.

Hessischer Landesozialbericht
Der Bericht ist umfangreich. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Die verarmten Menschen kommen selbst zu Wort. „Ich ging nicht mehr aus dem Haus, es war zu wenig Geld für die Kinder da. Ich traute mich mit meinen Kindern nicht mal mehr ins Schwimmbad“, wird da ein Elternteil zitiert.

Nora, alleinerziehende Mutter von 29 Jahren, formuliert: „Wenn ich manchmal die anderen Mütter in der Kita sehe, die alle Autos haben und Männer, die gut verdienen, die können ihren Kindern was bieten und sich auch selbst was leisten. Manchmal glaube ich, das wird bei mir nie besser werden mit dem Geld und ob ich aus dem Hartz IV irgendwann rauskomme.“

Die Wohlfahrtsverbände und Kirchen haben Wert darauf gelegt, dass der Landessozialbericht nicht nur Zahlen, sondern auch Erfahrungsberichte der Betroffenen enthält. „Armut ist mehr als das, dass man wenig Geld zur Verfügung hat“, betont Felix Blaser von der Evangelischen Kirche in Hessen.

Der erste Bericht vor fünf Jahren sei „durch seine unkommentierten Zahlenfriedhöfe“ unangenehm aufgefallen, konstatiert die Caritas. Dagegen steige der aktuelle Bericht, der am Dienstag in Wiesbaden vorgestellt wurde, in die Ursachenforschung ein und empfehle konkrete Schritte. Die Verbände konnten selbst daran mitwirken. Mit Bedauern stellen sie fest, dass der Bericht zwar mehr als 300 Seiten über Armut enthält, aber nur drei Seiten über Reichtum. Der Wissenschaftler Jürgen Faik, der die Studie umgesetzt hatte, wies darauf hin, dass kaum Daten zum Reichtum vorlägen.

Aus dem Sozialbericht erfährt man, dass 10,7 Prozent der Hessen ein mindestens doppelt so hohes Einkommen haben wie ein mittlerer Ein-Personen-Haushalt in Deutschland. Sie haben mindestens 77 378 Euro zur Verfügung.

Die SPD lobte, der Bericht sei deutlich besser aufbereitet als der Vorgängerbericht von 2012. Dazu habe offensichtlich die Mitarbeit der externen Fachleute geführt, kommentierte Sozialpolitiker Gerhard Merz. Er freute sich über die Empfehlung der Sozialverbände, kostenfreie Kinderbetreuung einzuführen. Das fordere auch die SPD.

Der CDU-Abgeordnete Ralf-Norbert Bartelt sieht den Bericht als Beleg dafür an, „dass bereits in der Vergangenheit für die richtige Implementierung der wirtschaftlich und sozial notwendigen Rahmenbedingungen in Hessen gesorgt wurde“.

Marcus Bocklet (Grüne) kündigte an, die nächsten politischen Schritte aus den Erkenntnissen des Berichts abzuleiten. „Klar ist: Kein Kind soll in Armut oder in Angst vor Armut leben müssen.“

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