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Vor Landtagswahl AfD bedient extremen Flügel

Frauen sind bei den AfD-Landtagskandidaten deutlich unterrepräsentiert. Dafür sind auffällig viele Polizisten unter den Bewerbern - und einer hat engen Kontakt zur Neuen Rechten.

AfD Hessen
Rainer Rahn ist Spitzenkandidat der AfD im hessischen Wahlkampf. Foto: dpa

Generell habe er nichts gegen Kopftuch oder Piercing, sagt Rainer Rahn, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) im hessischen Wahlkampf am Montag der Frankfurter Rundschau. „Aber in meiner Umgebung möchte ich das nicht sehen.“ „Der Ausländer“ sei per se nicht kriminell, äußert der Landessprecher der Partei, Robert Lambrou.

Doch Migranten und Flüchtlinge seien in den Statistiken „überproportional vertreten“, so der 50-Jährige, der auf Listenplatz zwei in den Landtag ziehen will. „Ein Teil der Migranten hat diese Sicherheitslage mitzuverantworten.“ Und dann pauschalisiert er doch: Messerstecherei etwa sei ein typisches Delikt von Nordafrikanern.

Nach der Wahl am 28. Oktober könnten solche Töne auch im Hessischen Landtag zu hören sein. 15 Kandidaten haben die rund 210 AfD-Delegierten am Wochenende in Neu-Isenburg gewählt. Am kommenden Wochenende in Flörsheim steht die Wahl der restlichen 15 Bewerber für ein Mandat im Landesparlament an. Ihr Programm soll beim Parteitag Anfang Mai in Gießen entstehen.

Bürgerlich, konservativ – dort verorten sich Rahn und Lambrou. Mit dem Begriff „Rechtspopulist“ könne er nichts anfangen, sagt der 66 Jahre alte Mediziner Rahn aus Frankfurt. Eine mögliche Zusammenarbeit mit dem ausgewiesenen Vertreter der Neuen Rechten, Andreas Lichert (Listenplatz 5), bereite ihm keine Probleme. Die Kontakte des 42-Jährigen Wetterauers zur völkisch orientierten „Identitären Bewegung“ würden „völlig überbewertet“, findet Rahn. „Man darf im Treppenhaus doch mal mit jemandem reden.“ Die Wahrnehmung Lambrous ist differenzierter: „Alle Gruppen und Stränge der Partei sind unter den ersten 15 Listenplätzen vertreten“, sagt der 50-Jährige. „Mit Lichert ist auch ein Vertreter einer Strömung dabei, die weiter rechts steht.“ Diesen Flügel zu befriedigen, sichere „das reibungslose Arbeiten der ganzen Partei“.

Unterrepräsentiert sind die Frauen. Erst auf Platz 12 und 13 kamen zwei unter: Alexandra Walter, 38 Jahre alte Doktorandin aus Groß-Gerau und Claudia Papst-Dippel (55), Heilpraktikerin aus Waldeck-Frankenberg. Das liege an dem geringen Frauenanteil der Hessen-AfD, der schätzungsweise bei 15 bis 20 Prozent liege, sagt Lambrou. Außerdem: „Unsere besten Frauen hat es in den Bundestag gezogen.“ Gemeint sind Mariana Harder-Kühnel und Joana Cotar.

Dafür sind auffällig viele ehemalige oder Noch-Polizisten unter den Bewerbern. Drei schafften es bislang auf die Liste: Landessprecher Klaus Hermann (Platz 3), Nikolaus Pethö (4) und Dirk Gaw (11). Die AfD, bestätigt Lambrou, habe „eine große Anziehungskraft auf Sicherheitskräfte“. Grund sei der „Verfall der Sicherheit“. Auch sein Mitstreiter im Wiesbadener Stadtparlament, Michael Goebel, arbeite beim Bundeskriminalamt. „Die Polizei bekommt am unmittelbarsten mit, wenn bestimmte Entwicklungen kritisch werden.“

Sein Ergebnis von 86 Prozent ohne Gegenkandidaten nennt Lambrou „gut, aber nicht sehr gut“. Als Landessprecher müsse er auch unpopuläre Entscheidungen treffen. Etwa das Einstellen des Videoprojekts „AfD-Hessen-TV“ Ende Dezember.

Er habe auch zu verantworten, dass aus den zwei Teilzeit- zwei Vollzeitkräfte in der Geschäftsstelle wurden. Finanziert würden sie hauptsächlich vom Steuerzahler. Hessen war das erste Bundesland, in dem die AfD zur Landtagswahl antrat. 4,1 Prozent der Stimmen bekamen die Rechtpopulisten 2013. Nicht genug für den Einzug in den Landtag, wohl aber, um von der staatlichen Parteienfinanzierung zu profitieren.

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