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Umweltschutz in Hessen Kampf dem Pappbecher

Die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) demonstriert den Ressourcenverbrauch durch die „Coffee to go“-Mode. Sie wirbt für den „Becherbonus“.

Becher
Der Becher kann mitgebracht werden. Foto: Christoph Boeckheler

Die weiße Säule ist etwa zwei Meter hoch, besteht aus rund 1000 Pappbechern und macht die Passanten auf dem Wiesbadener Schlossplatz am Donnerstag neugierig. „Aha“, sagt ein Mann auf Englisch zu Umweltministerin Priska Hinz (Grüne), „so viel Kaffee trinken Sie?“

Er findet die Kunstaktion gut, hat aber nicht ganz verstanden, worum es der grünen Ministerin geht. Die zieht nämlich nicht gegen exzessiven Kaffeekonsum zu Felde, sondern gegen das immense Übermaß an Papp- und Plastikbechern, das durch die „Coffee to go“-Mode verbraucht wird.

Bei eigener Tasse billiger

Vor anderthalb Jahren hat die hessische Umweltministerin Hinz die Kampagne „Becherbonus“ gestartet. Mit Erfolg warb sie darum, dass Bäckereien und Imbisse den Kaffee zum Mitnehmen günstiger verkaufen, wenn die Kunden selbst eine Tasse mitbringen und dadurch einen Pappbecher einsparen.

Bis heute beteiligten sich hessenweit 585 Filialen daran, berichtet Hinz in Wiesbaden. Die Kampagne habe sich zudem von Hessen bundesweit ausgebreitet, auf insgesamt 3600 Filialen.

Neben vielen kleinen Unternehmen machten auch etliche große mit. Die Liste reicht vom Burger-Brater McDonald’s, der Kaffee für 10 Cent weniger in die mitgebrachte Tasse schenkt, bis zur Deutschen Bahn, die im Bordbistro sogar einen Rabatt von 20 Cent anbietet, wenn jemand seine Tasse dabei hat.

Im nächsten Schritt will Hinz nun die Kunden motivieren, das Angebot auch anzunehmen und eine Kaffeetasse mit sich zu führen, wenn sie unterwegs ein Heißgetränk zu sich nehmen wollen. „Es gibt zunehmend Leute, die darauf achten“, beobachtet die Ministerin. „Aber es sind noch nicht so viel, wie wir gerne hätten.“

Dabei gehe es ihr nicht nur darum, einen überflüssigen Verbrauch von Ressourcen zu vermeiden, sondern auch um das Wegräumen des Mülls. „Die Kommunen müssen das dann wegmachen“, sagt sie. Auch dagegen könne der Becherbonus helfen.

Der Umweltschutz-Verein „Cradle to Cradle“, dessen Bundesvorsitzende die frühere niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn (SPD) ist, unterstützt die hessische Kampagne. Der Produktdesigner Holger Burckhardt von Cradle to Cradle in Frankfurt hat das Modell aus 1000 Bechern gebaut. Etwa so viele davon würden in Deutschland in gerade einmal zehn Sekunden verbraucht, berichtet Burckhardt. Insgesamt landeten 320.000 Kaffeebecher pro Stunde im Müll.

Porzellan statt Pappe

Das will Ministerin Hinz ändern. Ihr eigenes Verhalten muss sie dabei kaum umstellen, denn Hinz kann leicht auf Pappbecher für den Mitnehmkaffee verzichten. Sie hält nicht viel vom hektischen „Coffee to go“ und trinke ihr Heißgetränk „im Sitzen aus der Porzellantasse“, berichtet Hinz. „Ich persönlich ziehe das immer noch vor.“

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