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Tierschutz Hessen verbietet Kükentötung

Bei der Legehennenzucht werden Hahnenküken unmittelbar nach dem Schlüpfen getötet. Hessen verbietet nun aus Tierschutzgründen die Tötung männlicher Eintagsküken.

Ein Küken kurz nach dem Schlüpfen. Foto: Michael Schick

Hessen verbietet aus Tierschutzgründen die Tötung männlicher Eintagsküken. „Eine landwirtschaftliche Produktionsform, bei der die Hälfte der Jungtiere systembedingt getötet wird, ist völlig inakzeptabel“, sagte Agrarministerin Priska Hinz (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden. Bei der Legehennenzucht werden bislang routinemäßig Hahnenküken nach dem Schlüpfen getötet. Die Küken seien auch zur Mast nicht geeignet, argumentiert die Branche. Nordrhein-Westfalen hat die Praxis bereits verboten.

In Hessen trifft das Verbot vor allem eine große Brüterei, in der laut Ministerium jährlich bis zu 15 Millionen Küken getötet werden. Eine Reaktion der Firma gab es gestern zunächst nicht. Das Unternehmen erhält die Auflage, eine andere Methode einzuführen, bei der das Geschlecht eines Kükens noch im Ei bestimmt wird.

Die Fraktionen im Landtag begrüßten das Verbot. Die Opposition bemängelte aber, dass Hinz dem Unternehmen keine Frist gesetzt habe. Die Tierschutzorganisation Tasso lobte den Schritt: „Tiere sind kein Abfall, sondern fühlende Lebewesen.“ Die Zucht von Legehennen sei die einzige heute übliche Produktionsweise in der Landwirtschaft, die darauf beruhe, dass der sofortige Tod der Hälfte aller geborenen Tiere von vornherein feststehe.

Anzeige gegen Brüterei

Die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin hat schon vor Jahren auf die Praxis der Brütereien hingewiesen. In ihrem Jahresbericht 2013 erneuerte sie ihre Forderung nach einem Verbot. Darin schreibt sie, dass landesweit rund zwölf Millionen männliche Küken „getötet, zumeist vergast und wie Abfall entsorgt oder als Tierfutter verteilt“ würden. Dies geschehe ausschließlich aus ökonomischen Gründen: Die Mast von Hähnchen einer Legerasse dauere länger oder die Fleischfülle sei geringer als bei hochspezialisierten Mastrassen.

Martin sieht darin einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Demnach darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund, Schmerzen, Leiden oder Schäden antun. Auch untersage der Gesetzgeber im Rahmen der verfassungsrechtlichen geschützten Forschungsfreiheit, dass allein ökonomische Gründe als Begründung für Schmerzen, Leiden und Schäden nicht ausreichen. Laut Martin war Nordrhein-Westfalen vor einem Jahr als erstes Bundesland gegen die Tötung männlicher Eintagsküken vorgegangen. Sie wurde mit einer Übergangszeit von zwölf Monaten untersagt. Damals gab es eine Anzeige gegen eine Brüterei. (mit dpa)

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