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Sterbehilfe Sterben in Würde

Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) wirbt für Hospizarbeit und Schmerzversorgung. Aktive Sterbehilfe lehnt er ab. Kritik erntet er dafür im Landtag nicht. Doch es gibt Streit über die Ärzteversorgung gerade in ländlichen Regionen.

Eine Therapeutin hält die Hand einer todkranken Hospiz-Bewohnerin. Foto: dpa

Der Hessische Landtag hat am Dienstag darüber debattiert, wie ein Sterben in Würde ermöglicht werden kann. Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) warb in seiner Regierungserklärung zur Gesundheitspolitik dafür, dass ehrenamtliche Mitarbeiter von Hospizen, hauptamtliche Mediziner, Pfleger und spirituelle Begleiter dafür „auf gleicher Augenhöhe“ zusammenarbeiten sollten.

Fast alle Menschen wollten zu Hause sterben, sagte Grüttner. Mehr als 100 Hospizinitiativen unterstützten sie, wofür das Land eine Koordinierungsstelle aufgebaut habe. Es müsse aber auch ein „individueller Tod“ in Krankenhäusern möglich sein, fügte der Minister hinzu. Dabei gehe es nicht nur um bessere Strukturen für die Schmerzversorgung und die Begleitung der Kranken, sondern auch um eine „Haltung“ der Beteiligten.

Aktive Sterbehilfe lehnt CDU-Politiker Grüttner ab. Der Ruf danach sei „vielen Ängsten geschuldet“, sagte er – „der Angst vor Vernachlässigung, vor Respektlosigkeit, vor Schmerzen oder davor, anderen zur Last zu fallen“. Dem könne mit Informationen und mit einer „sorgenden Gesellschaft“ begegnet werden, statt einen assistierten Suizid zu erlauben.

Aufruf zur Vorsorge

Der SPD-Gesundheitspolitiker Thomas Spies teilte diese Auffassung Grüttners. Er vermisse aber eine politische Antwort der Landesregierung, um die Bedingungen zu verbessern. Grüttner habe weder bei der Qualitätskontrolle in den Einrichtungen noch bei der Frage nach Personalstandards für Heime oder Krankenhäuser etwas vorzuweisen, bemängelte der Oppositionspolitiker.

Der Grüne Marcus Bocklet warb für eine „respektvolle Debatte“ über Sterbehilfe. Es gebe in dieser schwierigen Diskussion „kein Richtig und kein Falsch“, betonte der Grüne.

Mit einem persönlichen Appell an die Abgeordneten hatte Grüttner seine Regierungserklärung eröffnet. Gerade die Männer sollten häufiger zur Vorsorge gehen und dadurch „als Vorbild wirken“, rief er seinen Politikerkollegen zu. Die Landesregierung wolle die Kommunen stärker einbeziehen, „um Prävention und Gesundheitsförderung flächendeckend auszuweiten“, kündigte Grüttner an.

Aus Sicht von SPD und Linken verlagert der Minister die Probleme der Gesundheitsvorsorge damit auf die Patienten, statt selber aktiv zu werden. „Das drängendste Problem ist die Tatsache, dass arme Menschen elf Jahre kürzer leben als reiche Menschen“, sagte der SPD-Gesundheitspolitiker Thomas Spies. Auch die Linken-Abgeordnete Marjana Schott beklagte, es sei „gefährlich, arm und arbeitslos zu sein“.

Alle Fraktionen stellten mit Sorge fest, dass es in manchen ländlichen Regionen Hessens schwierig geworden ist, genügend Hausärzte zu finden. Grüttner berichtete, mit Programmen wie der „Landarztpartie“ des Kreises Fulda werde der Nachwuchs bereits im Studium auf eine Arbeit als Landarzt vorbereitet. Sozialdemokrat Spies befand hingegen, die Projekte seien unzureichend und Grüttner sei untätig im Kampf gegen Ärztemangel.

FDP-Fraktionschef Florian Rentsch befürchtet, dass eine bevorstehende Gesetzesänderung auf Bundesebene den Ärztemangel verschärfen werde. Sie soll dazu führen, dass in Gebieten mit Überversorgung Praxen geschlossen werden. Dadurch entstünden aber keineswegs automatisch Praxen an anderer Stelle, mahnte Rentsch.

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