Lade Inhalte...

Spielsucht Zocken trotz Sperre

Das Spielhallenpersonal ignoriert oft das Schutzsystem für Spielsüchtige, zeigt eine vom Land Hessen finanzierte Studie. Die Forscher plädieren für eine personengebundene Spielerkarte.

Automaten
Spiel ohne Grenzen: Am Automaten spielen Abhängige oft ungehindert. Foto: Andreas Arnold

Die meisten Spielhallen überprüfen zwar ihre Kunden. Doch lassen sie diese zocken, auch wenn sie gesperrt sind. Dies belegt eine vom Land Hessen finanzierte Studie. Die Forscher plädieren daher unter anderem für eine personengebundene Spielerkarte, die ins Gerät eingeführt werden muss.

Rund 24 000 Hessen weisen ein problematisches Glücksspielverhalten auf. Rund 13 000 sind glücksspielabhängig. Am häufigsten zocken sie an Geldspielautomaten. Das hat die Hessische Landesstelle für Suchtfragen anhand der Repräsentativuntersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung errechnet. Trotz der schlechten Ergebnisse wertet Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) die gesetzliche Regelung zum Spielerschutz in Hessen als Erfolg. Handlungsbedarf sieht er lediglich beim Spielhallenpersonal. Es müsse „sensibilisiert und besser geschult werden“.

Nur in Ausnahmen reagierten die Mitarbeiter angemessen auf Kunden, die eindeutiges Glücksspielverhalten zeigen. Dies hatten Überprüfungen mit Testpersonen vor Ort ergeben. In vier von fünf Fällen wurden sie zwar beim Einlass kontrolliert. Doch in knapp einem Drittel der Spielhallen konnten sie trotz Spielersperre zocken. Lediglich in sieben Prozent der Fälle wurde das Personal zudem tätig, wenn der Tester eindeutiges Glücksspielverhalten simulierte.

Als bundesweit erstes Land hatte Hessen 2014 ein landesweites Sperrsystem für alle Spielhallen in Hessen eingerichtet. Aktiviert haben es zu 99 Prozent Betroffene selbst, der Rest war Spielhallenpersonal. 16 300 Spieler und Spielerinnen sind derzeit darin erfasst. Wollen sie Zutritt zu einer Halle erhalten, erscheint bei einer Online-Abfrage ihr Status als gesperrt.

Die Studie zeige, dass das Schutzsystem vor allem jenen Menschen hilft, die für ein erhöhtes Risiko für Glücksspielsucht bekannt sind. Die gesperrten Spieler sind demnach zu 88 Prozent männlich, 47 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Eine Befragung unter ihnen ergab, dass sie diese Zugangsbeschränkung als positiv und vorteilhaft empfinden. Sie zocken weniger und sagen, ihre Lebensqualität habe sich verbessert.

Neben der bundesweiten Einführung des Sperrsystems schlägt das Forscherteam unter Leitung von Gerhard Meyer vom Institut für Psychologie und Kognitionsforschung an der Universität Bremen weitere Verbesserungen vor: die Einführung einer personengebundenen Spielerkarte, die vor dem Spiel in das Gerät eingeführt werden muss und eine gesperrte Person erkennt. Diese Karte könnte auch individuelle Begrenzungen für Verlustlimits gespeichert haben. Außerdem empfehlen die Experten das Verbot von Geldspielautomaten in gastronomischen Betrieben.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen