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SPD in Hessen Linke feiert mit Ypsilanti

Seit zehn Jahre gibt es die Linksfraktion im hessischen Landtag. Andrea Ypsilanti hält eine Festrede - und erinnert darin an das Jahr 2008, als ihr politisches Schicksal durch Koalitionsgedanken besiegelt wurde.

Andrea Ypsilanti
Die Sozialdemokratin Andrea Ypsilanti. Foto: Michael Schick

Andrea Ypsilanti kann sich noch gut an die Zweifler an der Verlässlichkeit der Linken erinnern. „Wird die radikale Wissler für dich wirklich als Ministerpräsidentin stimmen?“ Das waren die Fragen ihrer Parteifreunde im Jahr 2008, als es kurzzeitig so aussah, als könne ein rot-grünes Bündnis mit Tolerierung der Linken die CDU-Herrschaft in Hessen ablösen. „Heute wissen wir, dass diese Frage an die falsche Adresse ging“, sagt Ypsilanti. Denn tatsächlich saßen die drei Abweichler in ihrer eigenen Fraktion. 

Die Regierungsbildung scheiterte, es kam zu Neuwahlen. Eine bittere Erfahrung, das Ende einer hoffnungsvollen Karriere der Sozialdemokratin aus Frankfurt, die sich demnächst komplett aus der Landespolitik zurückzieht. Ein Stück Lebensgeschichte, die sie mit der Linksfraktion verbindet. Auch deshalb hat die 61-Jährige die Einladung angenommen, bei der Feier am Mittwochabend zu reden. „Ich mache es gerne“, versicherte die Sozialdemokratin. Zehn Jahre ist es her, dass die Linke erstmals in den hessischen Landtag einzog. „Gekommen, um zu bleiben“, stand auf der Einladung zu dem Fest im Landtag.

Fraktion hat einige Erfolge vorzuweisen 

Auch in der Opposition lasse sich etwas verändern, versicherte Fraktionschefin Janine Wissler. „Wir waren die Ersten, die gebührenfreie Kinderbetreuung forderten.“ Im August wird die schwarz-grüne Landesregierung sie in der Lightversion einführen. Auch das Zustandekommen des NSU-Untersuchungsausschusses oder die Abschaffung der Studiengebühren verbuchen die Linken auf ihr Erfolgskonto.

Wie wichtig die Arbeit mit Gewerkschaften und außerparlamentarischen Bündnissen ist, zeigte die Gästeliste. Stellvertretend für die Initiativen und Vereine sprach die langjährige Flughafenausbaugegnerin Petra Schmidt von der Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf. Bei der politischen Konkurrenz haben die Linken an Schrecken verloren. Einzig die CDU hatte keinen Vertreter zu der Party geschickt.

Kompliment an Wissler 

Ypsilanti erinnert sich an eine ihrer Reden als Spitzenkandidatin in Kassel. „Ich war damals ziemlich irritiert.“ Anhänger der Linken hätten sie heftig ausgebuht, für die Agenda 2010 verantwortlich gemacht. „Ihr wart damals nicht so richtig sortiert.“ Das habe sich gewandelt. Ein spezielles Kompliment ging an Wissler: Mit ihrer „großen Sachkenntnis und Leidenschaft“ gelinge es ihr immer wieder, das Plenum wachzurütteln. 

Es gebe nichts zu bereuen, sagte Ypsilanti und kehrt wieder zu 2008 zurück. Der „Aufbruch in die soziale Moderne war allemal die richtige Entscheidung“. Heute regiere in Hessen eine konservatives schwarz-grünes Bündnis. „Und unsere Koalition in Berlin gefällt auch nicht jeder.“

Die 61-Jährige warnte vor wachsendem Rassismus und Antisemitismus: „In Europa müssten eigentlich die Alarmglocken klingeln.“ Sie rief die progressiven Kräfte dazu auf zusammenzustehen. „Wir müssen den Graben innerhalb der politischen Linken überwinden.“ 

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