Lade Inhalte...

SPD Frankfurt Wut und Enttäuschung an der SPD-Basis

An der Basis der Frankfurter SPD brodelt es. Auf einer Versammlung im Bürgerhaus Gallus sprechen sich Genossen klar gegen große Koalitionen in Wiesbaden und Berlin aus. Mike Josef, der Frankfurter Unterbezirksvorsitzende, nennt die Lage der SPD „sehr ernüchternd“.

Generalsekretär Roth vor der SPD-Basis. Foto: Christoph Boeckheler

An der Basis der Frankfurter SPD brodelt es. Auf einer Versammlung im Bürgerhaus Gallus sprechen sich Genossen klar gegen große Koalitionen in Wiesbaden und Berlin aus. Mike Josef, der Frankfurter Unterbezirksvorsitzende, nennt die Lage der SPD „sehr ernüchternd“.

So einen Abend hat die Frankfurter SPD lange nicht mehr erlebt. 400 Genossinnen und Genossen strömen am Mittwoch schon vor 20 Uhr ins Bürgerhaus Gallus. Es ist eine Versammlung mit großen Emotionen, es wird heftig diskutiert: Über den Kurs der Partei, über mögliche Bündnisse in Hessen und Bund. Wortmeldungen richten sich klar gegen große Koalitionen in Wiesbaden wie Berlin.

Mike Josef, der Frankfurter Unterbezirksvorsitzende, spricht den meisten aus dem Herzen. Er nennt die Lage der SPD „sehr ernüchternd“, spricht von einem „Gefühl der Ohnmacht“. Er habe für den Politikwechsel gekämpft, er stehe noch immer für eine rot-rot-grüne Koalition in Hessen. Langer Beifall antwortet ihm. Rot-Rot-Grün in Hessen sei „nicht an der SPD gescheitert“, ruft Josef bitter. Die Sozialdemokraten hätten jetzt „das Heft des Handelns nicht mehr in der Hand“. Auf Bundesebene plädiert er dafür, das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen mit CDU/CSU abzuwarten.

Michael Roth, Generalsekretär der hessischen SPD, steht mit Mikrofon mitten in der Versammlung. Er ist, wie er sagt, „etwas aufgewühlt“. Er kämpft für den Kurs der Parteiführung. Er könne „jeden verstehen, der enttäuscht ist“. Aber auf Bundesebene könne eine große Koalition „auch eine Chance sein, die Lebens- und Arbeitsverhältnisse in Deutschland zu verbessern“. Roth, der auch Bundestagsabgeordneter ist, sagt selbstkritisch, die SPD habe in der letzten großen Koalition „vier Parteivorsitzende verschlissen“. Für ihr Eintreten für die Rente mit 67 und für die Mehrwertsteuererhöhung habe sie „einen hohen Preis bezahlt“.

Demonstranten sprengen Versammlung

Als Roth gerade über Hessen sprechen will, wird die Versammlung für zehn Minuten von Demonstranten gesprengt, die gegen die Abschiebepraxis und die Flüchtlingspolitik protestieren. Mit Sprechchören wie „Lampedusa, das ist Mord! Widerstand an jedem Ort“ oder „Feuer und Flamme den Abschiebebehörden“. Vor dem Bürgerhaus fährt ein großes Polizeiaufgebot auf, doch die Demonstranten ziehen friedlich ab.

Generalsekretär Roth macht deutlich, dass eine rot-grüne Minderheitsregierung in Hessen am Widerstand der Grünen gescheitert sei. Sein beschwörender Appell: „Das Schlimmste, was uns passieren könnte, wären weitere fünf Jahre Opposition!“

In der Debatte bricht sich Wut und Enttäuschung Bahn. „Es gibt nichts zu verhandeln mit der CDU“, ruft Klaus Wesemann vom Ortsverein Eschersheim und: „Wir hatten den falschen Kanzlerkandidaten.“ Michael Dehl, Vorsitzender des Ortsvereins Höchst: „Lasst uns gegen die große Koalition stimmen.“ Ralf Heider, Landtagskandidat im Süden, kritisiert die mangelnde Unterstützung durch die Landespartei: „Egal, was die SPD gefordert hat, die CDU war schon da.“ Die Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen hält dagegen: „Einfach Nein zu sagen ist nicht richtig.“ Die Stadtverordnete Rita Streb-Hesse rät zu Realismus: „Wir sind nicht bei Wünsch Dir was.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum