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Sexualerziehung in Hessen Hessen verteidigt Sexualkunde

In Wiesbaden ist ein Regenbogenfest als Protest gegen eine rechte Tagung zur Sexualpädagogik geplant. Auch der hessische Landtag befürwortet Vielfalt.

Demonstration gegen Sexualkunde-Reform
Etwa 1000 Menschen demonstrierten bereits im Oktober 2016 in Wiesbaden gegen den neuen hessischen Sexualkunde-Lehrplan. Foto: Boris Roessler (dpa)

Die Landesregierung und der gesamte Landtag haben sich aus aktuellem Anlass für Akzeptanz und Vielfalt ausgesprochen. Am Samstag veranstaltet die erzkonservative Gruppierung „Demo für alle“ eine Tagung zur Sexualpädagogik in Wiesbaden und ruft damit Gegendemonstranten auf den Plan.

Von zehn bis zwölf Uhr ist ein „Regenbogenfest“ vor dem Kurhaus geplant. Damit will das „Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt“ ein Zeichen setzen. Ihm gehören rund 100 Organisationen an, darunter SPD, Grüne, Linke und Piraten.

Das Symposium steht unter dem Titel „Sexualpädagogik der Vielfalt – Kritik einer herrschenden Lehre“. Manuel Wüst vom Verein Warmes Wiesbaden, der die Gegendemo organisiert, erwartet jedoch Redner, welche die „Homoheilung“ befürworten und „für flächendeckende Diskriminierung werben“.

Beide Gruppierungen waren bereits im vergangenen Oktober in Wiesbaden aufeinander getroffen. Damals waren rund 1000 Menschen dem Aufruf der „Demo für alle“ gefolgt, die gegen den Sexualkunde-Lehrplan Hessens protestierten. Darunter hatten sich Neonazis gemischt. Etwa doppelt so viele Gegendemonstranten stellten sich der rechten Demo entgegen.

Wie damals tritt auch diesmal die rechte Aktivistin Hedwig von Beverfoerde als Organisatorin auf. Manuel Wüst will dem ein Zeichen entgegensetzen, „dass unsere Gesellschaft vielfältig, bunt und offen ist“.

Krude Ansichten

Dieser Haltung schlossen sich am Donnerstag alle Fraktionen im Landtag an. Die Werte von Akzeptanz und Vielfalt würden „von einer kleinen Gruppe in Frage gestellt“, sagte der Grünen-Abgeordnete Kai Klose. Sie verbreite „krude Ansichten zur Sexualerziehung“. Auch beunruhigte Bürger reagierten „sehr gelassen“, wenn sie gelesen hätten, „was wirklich in diesem Lehrplan steht“. Der SPD-Abgeordnete Corrado Di Benedetto rief dazu, den „pseudowissenschaftlichen Abhandlungen“ etwas entgegenzusetzen und zu „zeigen, dass die breite Mehrheit der Gesellschaft, über viele Partei- und Organisationsgrenzen hinweg ein friedliches Miteinander in Akzeptanz und Vielfalt lebt und befürwortet“. Die Veranstaltung der „Demo für alle“ trage aus seiner Sicht eine „faschistoide Handschrift“.

Ulrich Wilken von der Linkspartei ergänzte, die „Ewiggestrigen“ sähen Schwule und Lesben auch heute noch als Kranke an. Der FDP-Politiker Jürgen Lenders warf den Veranstaltern des Symposiums vor, sie hätten sich nicht wirklich mit den Inhalten des Lehrplans auseinandergesetzt. Lediglich die Redner der CDU riefen nicht dezidiert zur Teilnahme an der Gegenveranstaltung am Samstag auf. Allerdings sind dort auch Christdemokraten vertreten, nämlich die „Lesben und Schwule in der Union“ (LSU).

In der Debatte im Landtag legten die CDU-Redner den Fokus vielmehr auf Verdienste der Regierung, die mit dem neuen Lehrplan den „rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen“ und somit der gesellschaftlichen Realität gerecht werde, wie es Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) formulierte.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte den Sexualkunde-Lehrplan zu Beginn dieses Schuljahres neu gefasst. Erstmals wird darin die „Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen“ als Ziel des Unterrichts genannt. „Die Vielfalt sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten“ sollten im Unterricht ebenso vorkommen wie die Möglichkeiten eines „Coming-out“.

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