Lade Inhalte...

Schulumfrage Massive Probleme bei den Hausaufgaben

Eine Umfrage unter hessischen Schülern zeigt: Wer keine Unterstützung zu Hause erhält, hat schlechtere Bildungschancen.

Lernen in der Schule
Im Unterricht zu lernen ist gut. Wer zu Hause Unterstützung bekommt, hat es besser. Deshalb hält die Landesschülervertretung Hausaufgaben für ungerecht (Symbolbild). Foto: Wavebreakmedia

Schule soll sich an uns orientieren, sie ist ja für uns gemacht“, fordert Fabian Pflume. Der Landesschulsprecher hat gemeinsam mit anderen eine landesweite Umfrage unter Schülerinnen und Schülern auf den Weg gebracht. Die Ergebnisse haben die Schülervertreter am Dienstag in Wiesbaden präsentiert. „Denn schließlich“, sagte Pflume, „sind wir die unschlagbaren Experten, wenn es um Schule geht. Da macht uns keiner was vor.“

Was aber sagen die Schülerinnen und Schüler, von denen sich in den vergangenen Monaten rund 50.000 an der Befragung beteiligt haben?

So viel vorweg: Die meisten gehen gerne recht in die Schule. Gut 70 Prozent haben so geantwortet. „Mich hat das positiv überrascht, ich dachte, es sind weniger“, räumte Pflume ein, der gerade sein Abitur geschrieben hat. Er selbst habe bei „trifft teilweise zu“ sein Kreuzchen auf dem ziemlich umfangreichen Fragebogen gemacht. 

Hausaufgaben für viele ein Problem 

Als einen der Hauptkritikpunkte haben die Schülervertreter die Hausaufgaben ausgemacht. Vor allem die Belastung am Samstag und Sonntag bereite große Sorge, so Pflume. Schließlich sei das Wochenende vor allem dazu da, sich Hobbies zu widmen, sich mit Freunden zu treffen, vielleicht ehrenamtlich zu arbeiten und sich zu entspannen.

Aber noch an mindestens zwei anderen Punkten stoßen die Hausaufgaben unangenehm auf. So benötigten 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler regelmäßig Hilfe, um die aufgetragenen Arbeiten überhaupt erledigen zu können. In der Hauptschule sind es sogar mehr als 30 Prozent. Das führe zu einer großen Ungerechtigkeit, sagte Pflume. Ob ein Jugendlicher in der Schule Erfolg habe, hänge dann davon ob, ob er diese Unterstützung zu Hause erhalte, von den Eltern oder in Form von Nachhilfe. Dort, wo dies nicht geschehe, seien auch die Bildungschancen schlechter.

Und noch etwas: Fast jeder Dritte gab an, die Hausaufgaben würden das Lernen nicht voranbringen. Die Landesschülervertretung fordert deshalb schon lange die Abschaffung von Hausaufgaben in ihrer heutigen Form. Um die Chancengerechtigkeit und den Bildungserfolg zu erhöhen, müssten Ganztagsschulen ausgebaut werden. Kinder und Jugendliche müssten die Gelegenheit haben, das im Unterricht Gelernte selbstständig, aber in einem betreuten Rahmen an der Schule selbst zu wiederholen.

Ein weiteres Problemfeld, das die Schülerinnen und Schüler in Hessen offenbar bewegt: Mobbing. 27 Prozent wurden laut Umfrage selbst schon einmal zum Opfer, 24 Prozent zum Täter oder Mittäter. „Das sind erschreckend hohe Zahlen“, sagte dazu Schülervertreterin Hannah Kriebel. Noch erschreckender sei es, dass 38 Prozent schon mindestens einmal Beobachter waren. „Das sind doch jene, die etwas dagegen tun könnten“, sagte Kriebel. Dazu müssten Schulen und Lehrer noch mehr dabei unterstützt werden, etwas gegen Diskriminierung und Mobbing zu tun.

Auch bei der Inklusion sehen die Schüler Verbesserungsbedarf. „Hessen liegt beim gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderungen unter den Bundesländern auf dem letzten Platz“, beklagte die stellvertretende Landesschülersprecherin Isa-Yael Roth. Dabei hätten jene, die Inklusion aus ihrem eigenen Unterricht kennen, damit zumeist gute Erfahrungen gemacht, wie die Umfrage ergeben habe.

Wenn Inklusion allerdings scheitere, dann liege das vor allem an einer mangelhaften Aufklärung, an fehlendem Personal und an Gebäuden, die nicht für die Bedürfnisse von Behinderten eingerichtet seien. Dort müssten das Land und die Schulträger Verbesserungen schaffen, um das Menschenrecht auf Inklusion auch umzusetzen.

Auch nach Unterrichtsausfall wurden die Schülerinnen und Schüler gefragt. 16 Prozent gaben an, dass bei ihnen „oft“ Unterricht ausfalle. „Auch wenn Schüler sich vielleicht erst einmal freuen, wenn sie eine Stunde frei haben, habe ich jetzt bei der Vorbereitung aufs Abitur gemerkt, wo viel Unterricht ausgefallen war“, berichtete Pflume. „Da habe ich dann umso mehr nacharbeiten müssen.“ Unterrichtsausfall hemme den Lernerfolg erheblich. Schlecht sei auch, dass 24 Prozent angaben, der Vertretungsunterricht sei nicht so gestaltet, dass man dort etwas lernen könne. „Das Kultusministerium muss dafür sorgen, dass Vertretungskräfte besser qualifiziert werden“, forderte Pflume.

Insgesamt 9000 Euro habe die Umfrage inklusive Auswertung gekostet, sagte Pflume. Bezahlt worden sei sie aus dem Budget der Landesschülervertretung. Die Ergebnisse ihrer Umfrage wollen die Schülervertreter nun mit allen Fraktionen im hessischen Landtag, mit Eltern und Lehrervertretern diskutieren. „Die Umfrageergebnisse sind bundesweit einzigartig und bieten die einmalige Chance, Schule schülergerechter zu machen“, sagte Pflume.

Es werde zu oft über und zu wenig mit Schülerinnen und Schülern geredet. Die Umfrage gebe nun die Gelegenheit, daran etwas zu ändern.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen