Lade Inhalte...

Schulen in Hessen Stellen-Rekord zum Schulstart

Kultusminister Lorz kündigt zum Schulstart in Hessen so viele Stellen wie nie an. Opposition und Lehrerverbände werfen ihm dennoch Selbstbeweihräucherung vor und haben eine Menge auszusetzen.

Lehrerin
Zum Schulstart soll die Anzahl der Lehrkräfte anziehen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam (dpa)

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) verspricht einen reibungslosen Schulstart mit einer Rekordzahl an Lehrerstellen. „Wir sind hervorragend aufgestellt“, verkündete der Minister am Donnerstag bei der traditionellen Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn. Wenn am Montag nach sechs Wochen Sommerferien wieder Schüler, Schülerinnen und Lehrkräfte in die Schulen strömten, könnten sie mit der „bislang besten Ausstattung mit Stellen und Personal rechnen“, die es in Hessen je gegeben habe.

Grundschulen: Im vergangenen Schuljahr konnten 100 Lehrerstellen nicht besetzt werden. In diesem Jahr solle dies nicht passieren, versprach Lorz. Es gebe genug qualifiziertes Personal, das Unterricht wahrnehmen könne. Er räumte allerdings ein, dass nicht alle diese Lehrkräfte bereits voll ausgebildet seien. Die Schulen könnten aber aus ihrem Budget auch selbst Personal einstellen, beispielsweise Übungsleiter. Insgesamt habe sich die Situation verbessert. So hätten Teilzeitkräfte um insgesamt 4000 Stunden aufgestockt und seien Lehrkräfte aus dem Haupt-, Realschul- und Gymnasialbereich gewechselt. Zudem sei die Zahl der Bewerber um ein

Referendariat an Grundschulen von 220 auf 380 gestiegen.

Ganztagsangebote: 450 zusätzliche Stellen soll es für ganztägige Angebote an den Schulen geben. Insgesamt sind es dann knapp 3000 Stellen, 1500 mehr als zu Beginn der Regierungszeit von CDU und Grünen.
Am Pakt für den Nachmittag (an Grundschulen) beteiligen sich 25 von 33 Schulträgern. An 530 Schulen gibt es ein Bildungs- und Betreuungsangebot von Montag bis Freitag von 6.30 bis 17 Uhr. An mehr als 70 Prozent der allgemeinbildenden Schulen gibt es nun Ganztagsangebote.

Inklusion: Die Zahl der Sonderpädagogen, die an Regelschulen eingesetzt werden, steigt von knapp 2400 auf etwas über 2600. Sie sollen helfen, den Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen zu bewältigen. Zum Beginn des Schuljahres 2019/20 soll es hessenweit eine flächendeckende inklusive Bildungslandschaft geben, also überall erreichbare Angebote zu gemeinsamen Beschulung.

Integration: Seit dem Jahr 2015 sind rund 50 000 Kinder und Jugendliche als Flüchtlinge an Hessens Schulen gekommen. Von diesen Seiteneinsteigern besuchten im vergangenen Schuljahr noch rund die Hälfte eine Intensivklasse oder -kurs, wo sie vor allem Deutsch lernen sollen und für den Übergang in den regulären Unterricht vorbereitet werden. Mit Beginn des neuen Schuljahres werden rund 10 000 in eine Regelklasse wechseln. 5000 weitere wechseln aus einer Förderklasse der Berufsschule in Ausbildung oder Berufsvorbereitung. Für die sprachliche Förderung stehen aufgrund der abnehmenden Zahl von Seiteneinsteigern 2400 Stellen zur Verfügung, das sind 200 weniger als bisher.

Defizite dagegen sehen Opposition und Lehrerverbände. Der schulpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Wolfgang Greilich, spricht sogar vom schlechtesten Schulanfang seit Jahrzehnten. Lorz verschließe die Augen vor der Realität. Als Hauptprobleme nannte er Lehrermangel, schleppende Digitalisierung und den baulichen Zustand der Schulen. Zur Überlastung von Lehrkräften und Schulleitungen habe Lorz kein Wort verloren, bemängelte Gabi Faulhaber (Die Linke). Die Zahl der Belastungsanzeigen von Lehrkräften sei alarmierend.

„Selbstbeweihräucherung“ warf Stefan Wesselmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), dem Minister vor. Vor allem Grundschulen müssten erneut auf Förderunterricht, AGs und Ganztagsangebote verzichten. Zudem bestritten die Schulen den Unterricht zunehmend auch mit nicht-pädagogischem Personal, weil sie keine Lehrkräfte fänden. „Beim Versuch, die Lücken im Stundenplan zu stopfen, sind Schulen auf sich allein gestellt“, so Wesselmann.

Lehrkräftemangel und steigende Zahlen von Schülerinnen und Schülern ließen die Klassen häufig bis zur Obergrenze anwachsen, monierten die GEW-Vorsitzenden Maike Wiedwald und Birgit Koch. Zudem sei Hessen mit seiner geringen Zahl von gebundenen Ganztagsschulen das Schlusslicht in Deutschland.

Die Situation an den Schulen in Hessen werde sich drastisch verschlechtern, fürchtet der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Degen. Nach wie vor falle Unterricht aus, weil Lehrer fehlten. Ganztagsschulen seien Mangelware, es fehlten Sonderpädagogen für die Inklusion und Grundschulen würden sich gegenseitig die Lehrkräfte abwerben.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Hessen

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen