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Schulen in Hessen Lehrer nicht fit für Digitalisierung

Schüler, Eltern und Lehrer fordern, Lehrkräfte in Hessen besser für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht vorzubereiten.

Digitalisierung in der Schule
Die Digitalisierung an Schulen ist noch ausbaufähig, sagen Gewerkschaften und Eltern. Foto: dpa

„Wer vor 40 Jahren Referendariat gemacht hat, dem wurde nie gezeigt, wie man Tablets oder Internet im Unterricht einbaut“, sagte Landesschülersprecher Fabian Pflume in Wiesbaden.

Dort forderte er mit Vertretern des Landeselternbeirats und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), entsprechende Empfehlungen umzusetzen. Sie waren in der Enquetekommission „Kein Kind zurücklassen“ des Landtags vier Jahre lang von der Politik mit Sachverständigen und Verbandsvertretern erarbeitet worden.

In dem Teil, der von allen fünf Fraktionen getragen wird, heißt es, Lehrkräfte müssten vor dem Einsatz der Systeme „mediendidaktische Kompetenz“ erwerben. „Deshalb soll der Umgang und die Unterrichtung von Schülern mit digitalen Systemen in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte einen entsprechenden Stellenwert erhalten.“

Derzeit stünden jeder Lehrkraft für Fortbildung 40 Euro pro Jahr zur Verfügung, berichteten Pflume und die hessische GEW-Vorsitzende Maike Wiedwald. Das reiche bei weitem nicht aus.

„Kaputt gespart“

Notwendig seien auch IT-Fachleute, die für die Beschaffung, Wartung und Aktualisierung von Computern und Software an den Schulen sorgten, fügte Wiedwald hinzu. Es gebe im Alltag technische Probleme, um die sich heute die Lehrkräfte zusätzlich zu ihrem Unterricht kümmern müssten. Der stellvertretende GEW-Vorsitzende Tony Schwarz sagte, die Weiterbildung sei „sukzessive kaputt gespart“ worden. Dadurch entstehe ein „Einfallstor für kommerzielle Anbieter“, die eigene Interessen verfolgten.

Der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Reiner Pilz, mahnte auch Schulungen zum Jugendmedienschutz an. „Es gibt fast keine Schule, die frei von Mobbing ist“, konstatierte er.

Die Verbandsvertreter zeigten sich verärgert darüber, dass weder diese noch andere Ergebnisse der Enquetekommission von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) aufgegriffen worden seien. Die Anhörungen der Enquetekommission seien Ende 2016 abgeschlossen gewesen. In der Änderung des Schulgesetzes 2017 finde sich aber nichts davon wieder. „Das ist wahnsinnig frustrierend“, sagte Landesschülersprecher Pflume und fragte: „Wofür haben wir die Arbeit gemacht?“

Die drei Verbände bekräftigten ihre Auffassung, dass „echte Ganztagsschulen“ notwendig seien, damit kein Kind zurückgelassen werde. Ein Modell, bei dem vormittags unterrichtet und nachmittags betreut werde, genüge diesen Ansprüchen nicht, erläuterte Maike Wiedwald. Hierüber war zwischen den Landtagsfraktionen keine Einigung erzielt worden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Hessen

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