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Schulen in Hessen Keine Reklame an Schulen

Der hessische Landtag verankert ein Werbeverbot im Schulgesetz, sehr zum Ärger der FDP. Eine Kooperation mit Firmen findet aber eine Zustimmung.

Hanau. Karl-Rehbein-Schule. TAGESHONORAR
Werbung für Unternehmen und ihre Produkte hat in Schulbüchern nichts verloren. Foto: Renate Hoyer

Unternehmen versuchen immer stärker, schon in Schulen für sich und ihre Marken zu werben. Davor haben Abgeordnete am Donnerstag im Hessischen Landtag gewarnt.

Der SPD-Politiker Christoph Degen berichtete von Agenturen, die sich darauf spezialisiert hätten, Werbung so zu gestalten, dass sie das Werbeverbot in den Schulen unterlaufen könne. Ungeniert würben sie darum, den Namen der Firma „im Kopf des Kindes“ zu verankern. Sozialdemokrat Degen mahnte, Bildung diene der Persönlichkeitsbildung „und nicht der ökonomischen Verwertbarkeit“.

Der Grünen-Abgeordnete Daniel May nannte das Start-up-Lehrbuch „Von der Idee zum Ziel“ als Beispiel, das von der wirtschaftsnahen Organisation NFTE herausgegeben wird. Es habe „Werbung an 50 Stellen“ enthalten, berichtete May. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte seine Verwendung in den Schulen gestoppt. Nur die FDP wandte sicn gegen diesen Schritt. Das Kultusministerium sei einer Kampagne der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) „auf den Leim gegangen“, befand der FDP-Bildungspolitiker Wolfgang Greilich.

Werbung ist an den hessischen Schulen verboten. Zum Ärger der FDP hat die schwarz-grüne Landesregierung dieses Verbot nun im Schulgesetz festgeschrieben. Bisher hatte es nur einen Erlass gegeben, der „Produktwerbung“ untersagte.

In ihrem Antrag lobte die FDP „das Engagement privater Initiativen und Unternehmen“, mit kostenfreien Unterrichtsmaterialien „den Stellenwert der Bildung über wirtschaftliche Betätigung und Unternehmertum im Schulunterricht zu verbessern und junge Menschen zu selbstständiger wirtschaftlicher Tätigkeit zu ermuntern“.

Die anderen Fraktionen zeigten sich irritiert über den Zusammenhang, der dort hergestellt wurde. Es sei ihm „schleierhaft, warum es den Gründergeist der Schüler stärken soll, wenn wir solche Bücher zulassen“, wandte der Grüne May ein. Dort gehe es nicht um Start-up-Unternehmen, sondern es werde Werbung für McDonald’s, Coca-Cola oder die Deutsche Bank betrieben.

Alle Fraktionen außer der Linken begrüßten die enge Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen, soweit es nicht um Werbung gehe. So sei es gut, dass Schülerinnen und Schüler Praktika in Betrieben absolvieren müssten, sagte SPD-Mann Degen.

Auch Sponsoring sei „ausdrücklich gewünscht“, betonte Armin Schwarz (CDU). Mechatroniker könnten an beruflichen Schulen gut ausgebildet werden, weil Fahrzeuge von Unternehmen zur Verfügung gestellt würden.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) betonte: „Das Fach Politik und Wirtschaft heißt nicht umsonst so.“ Inzwischen gebe es sogar eine Aufwertung des Fachs Wirtschaftswissenschaften, das in einer wachsenden Zahl von Gymnasien statt „Politik und Wirtschaft“ belegt werden könnte. Jede Schule sei zudem aufgerufen, mindestens eine Kooperation mit einem Unternehmen, einer Sparkasse oder einer Industrie- und Handelskammer einzugehen. Das sei notwendig – aber Werbung habe in der Schule nichts zu suchen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Hessen

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