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Schleppender Netzausbau Hessen befürchtet Laufzeitverlängerung für Atomkraft

Der Bau der Suedlink-Trasse kommt nur langsam voran. Wie werden die Menschen im Süden Deutschlands dennoch mit Strom versorgt? Die hessische Landesregierung befürchtet: Mit Energie aus alten Atommeilern.

Erdkabel
Erdkabel bei Göttingen: Die Suedlink-Trasse wird wohl kaum bereits 2022 in Betrieb gehen können. Foto: dpa

Die für die Energiewende wichtige Suedlink-Trasse sollte eigentlich im Jahr 2022 in Betrieb gehen. Doch dieser Zeitplan ist nicht einzuhalten. Trotzdem müssen die Menschen im Süden Deutschlands irgendwie mit Strom versorgt werden. Die hessische Landesregierung befürchtet deshalb eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke.

„Der Stromnetzausbau ist völlig aus dem Zeitplan geraten“, sagt Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Es sei klar, dass Suedlink im Jahr 2022, wenn das letzte AKW vom Netz gehen soll, nicht fertig sei. „Dann wird sich die CSU in Bayern, die den Netzausbau in den letzten Jahren nach allen Regeln der Kunst blockiert hat, hinstellen und erklären: Damit in den Fabriken von BMW und Siemens nicht die Lichter ausgehen, müssen wir die Atomkraftwerke länger laufen lassen.“ Aus dem bayrischen Wirtschaftsministerium heißt es auf Nachfrage dazu, eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke sei aktuell keine Option.

Trotzdem fordert die schwarz-grüne Koalition in Hessen die Bundesregierung auf, die bestehenden Stromnetze in Deutschland aufzurüsten. Wirtschaftsminister Al-Wazir will am heutigen Freitag im Bundesrat um Unterstützung für die Initiative werben.

Der Bund soll die Leitungen gemeinsam mit den Übertragungsnetzbetreibern aufrüsten, heißt es im Antrag aus Hessen. Geeignete Trassen könnten unter anderem durch hitzebeständigere Kabel verstärkt werden. Das würde die Übertragungskapazität um bis zu 100 Prozent erhöhen.

Hintergrund der hessischen Initiative ist der schleppende Netzausbau. Die Stromleitungen in Deutschland sind noch nicht an die Energiewende angepasst. Statt weniger, großer Kraftwerke speisen zunehmend viele kleine Anlagen ihren Strom ins Netz ein. Dieser grüne Strom wird jedoch nicht gleichmäßig erzeugt – und nicht immer dort, wo er gebraucht wird. Für diese Herausforderungen braucht es die passende Netzinfrastruktur. Doch die ist noch lange nicht fertig. Nach Angaben der Bundesnetzagentur könnten die ersten großen Projekte – darunter auch Suedlink – erst 2025 fertig gestellt werden.

Bis dahin würden sich die gegenwärtigen Engpässe im Übertragungsnetz allerdings noch deutlicher bemerkbar machen, heißt es im Antrag aus Hessen. Es sei „dringend erforderlich, sämtliche Optimierungspotentiale im bestehenden Übertragungsnetz umgehend auszuschöpfen.“

Die Forderung zielt auch auf eine Entlastung der Verbraucher. „Die Verzögerungen beim Netzausbau führen zu höheren Stromkosten, weil immer mehr Geld ausgegeben wird, um Windräder abzuregeln und die Netze zu stabilisieren“, sagt Al-Wazir. Abgeregelt werden müssen Anlagen dann, wenn die Netzkapazitäten nicht ausreichen, um den erzeugten Strom zu transportieren. Sind die Leitungen dennoch überlastet, müssen sie mit Noteingriffen stabilisiert werden – und das kostet. Netzbetreiber Tennet musste für die Eingriffe im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Euro ausgeben. Diese Kosten werden über die Netzentgelte auf den Strompreis aufgeschlagen. Zahlen muss das der Verbraucher.

„Im Ergebnis erklären dann die Gegner der Energiewende, unter denen klammheimlich weiter Freunde der Atomkraft sind: Schaut her, die Stromkosten steigen ins Unermessliche“, meint Al-Wazir. „Fakt ist aber, nicht der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist schuld, sondern der schleppende Ausbau der Netze.“

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