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Salafisten in Hessen Hessen kämpft gegen Salafismus

Hessen tritt der Radikalisierung junger Muslime ab sofort mit einem eigenen Präventionsnetzwerk gegen Salafismus entgegen. Die Landesregierung stellt dafür insgesamt 600 000 Euro zur Verfügung.

Der salafistische Prediger Pierre Vogel bei einer Kundgebung in Hamburg. Foto: dpa

Hessen tritt der Radikalisierung junger Muslime ab sofort mit einem eigenen Präventionsnetzwerk gegen Salafismus entgegen. Die Arbeit werde vor allem von Experten des Berliner Vereins „Violence Prevention Network“ (Netzwerk zur Gewaltprävention, VPN) getragen und solle umgehend beginnen, teilte Innenminister Peter Beuth (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden mit. „Radikalisierungstendenzen müssen im Keim erkannt und erstickt werden“, sagte Beuth. Für die Arbeit des Netzwerkes stellt die Landesregierung im laufenden Jahr 200 000 Euro und im kommenden Jahr noch einmal 400 000 Euro zur Verfügung.

Die Arbeit des Netzwerkes, die vom „Kompetenzzentrum gegen Extremismus“ im Innenministerium koordiniert wird, soll nach Angaben von Beuth unterschiedliche Beratungs- und Präventionsangebote bündeln. So sollen die zunächst sieben Mitarbeiter Workshops in Schulen anbieten oder Moscheegemeinden für das Thema sensibilisieren, außerdem stehen sie als Ansprechpartner für betroffene Eltern zur Verfügung. Das Netzwerk bietet zudem Beratung für bereits radikalisierte Jugendliche an und begleitet sie bei einem möglichen Ausstieg aus der Szene. Wie Thomas Mücke von VPN sagte, werde derzeit noch nach geeigneten Büroräumen in Frankfurt gesucht.

Mit dem bundesweit ersten Landesprogramm gegen Salafismus schließe Hessen eine Lücke im Kampf gegen radikale Tendenzen vor allem unter jungen Muslimen, sagte Innenminister Beuth. Man werde das wachsende Problem des Salafismus „allein mit den Mitteln der Sicherheitsbehörden nicht lösen können“. Deshalb wolle man über einen Fachbeirat auch gesellschaftliche Akteure wie die hessischen Kommunen oder die Islamverbände in die Arbeit des Netzwerks einbeziehen.

Wie groß die Gefahr sei, die vom radikalen Salafismus ausgehe, sehe man daran, dass rund 320 Salafisten aus Deutschland nach Syrien ausgereist seien, um sich dort am Kampf islamistischer Milizen gegen Machthaber Baschar al-Assad zu beteiligen, sagte Beuth.
In Hessen habe die Szene momentan 1200 Anhänger mit Schwerpunkt im Rhein-Main-Gebiet, die Zahl hessischer Salafisten, die bereits nach Syrien gegangen seien, liege derzeit im „mittleren zweistelligen Bereich“.

Thomas Mücke von VPN sagte, Vertrauen zu bereits radikalisierten Jugendlichen aufzubauen, sei „eine sehr mühsame Arbeit“. Man arbeite aber nach einem klaren Prinzip: „Wir geben keinen auf.“ Wenn man bei einem Salafisten erreiche, dass er sich seiner eigenen Gefährdung bewusst werde, könne man etwa Dschihad-Reisen nach Syrien in aller Regel verhindern. Jugendliche, die sich zunehmend radikalisierten, seien meist auf der Suche nach Identität, sagte Mücke. Daher sei das Wichtigste, „dass da überhaupt ein Dialog entsteht“.

Die Opposition im hessischen Landtag begrüßte die Einrichtung des Netzwerkes: SPD-Innenexpertin Nancy Faeser lobte die Einbindung gesellschaftlicher Gruppen und der innenpolitische Sprecher der Linken, Hermann Schaus, begrüßte die Einrichtung eines Aussteigerprogramms. Der Vorsitzende des Landesausländerbeirats, Enis Gülegen, sprach von einem „Schritt in die richtige Richtung“.

Das Präventionsnetzwerk gegen Salafismus ist ab sofort unter der Nummer 0911 / 943 43 43 zu erreichen.

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