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NSU-Opfer Initiative hält an Gedenkveranstaltung auf Halitplatz fest

1. UpdateDie türkische Gemeinde kritisiert die Absage der Gedenkveranstaltung für Kasseler NSU-Opfer. Trotz allem erwartet die Initiative „6. April“ eine hohe Zahl an Teilnehmern.

05.04.2018 14:27
Halitplatz in Kassel
Zur Erinnerung an das Mordopfer Halit Yozgat ist in Kassel ein Platz in Halitplatz umbenannt worden. Foto: Peter Jülich

Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) hat die Absage der Gedenkveranstaltung für das Kasseler NSU-Opfer Halit Yozgat kritisiert. Die Entscheidung der Stadt sei falsch, sagte der Vorsitzende Atila Karabörklü. „Das Signal ist eindeutig, und es lautet: Wir konnten euch damals nicht schützen, und wir können es auch heute nicht!“

Angesichts brennender Flüchtlingsunterkünfte und Moscheen sowie einer rechtspopulistischen Partei im Bundestag sei das Gedenken an die Opfer der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) wichtiger denn je, sagte Karabörklü. 

Die nordhessische Stadt hatte die für den 6. April geplante Gedenkveranstaltung wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. Man befürchte Vorfälle, die den „Charakter und würdigen Rahmen einer Gedenkveranstaltung“ massiv beeinträchtigen könnten, lautete die Begründung. Hintergrund sind antitürkische Proteste und Straftaten gegen türkische Einrichtungen in Deutschland. Die Polizei hatte betont, sie hätte die Sicherheit bei einer Gedenkveranstaltung gewährleisten können.

Initiative „6. April“ erwartet viele Teilnehmer

Unterdessen ruft die Kasseler Initiative „6. April“ trotzdem zu einer Gedenkveranstaltung auf: Man sei irritiert über den plötzlichen Rückzug der Stadt, wolle sich aber dennoch am Freitagnachmittag auf dem Halitplatz treffen, heißt es auf der Internetseite der Gruppe. Die Initiative setzt sich nach eigenen Angaben für die Aufarbeitung der NSU-Morde ein.

Trotz der städtischen Absage erwartet die Initiative am Freitag viele Teilnehmer. „Es gibt ein sehr großes Interesse, wie wir es noch nie erlebt haben“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Eine Zahl nannte er nicht. In der Vergangenheit hatten meist mehrere Hundert Menschen teilgenommen.

Zuvor hatte auch eine Gruppe von 59 teils prominenten Kasselern dazu aufgerufen, an der Gedenkenveranstaltung teilzunehmen. Geplant ist laut den Organisatoren, schweigend Blumen auf dem Halitplatz niederzulegen. Der türkischstämmige Yozgat war am 6. April 2006 in seinem Internetcafé im Kasseler Stadtteil Nord-Holland mutmaßlich vom NSU als vorletztes Opfer einer Mordserie erschossen worden. (dpa)

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