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Netzwerk gegen Salafismus Mehr Geld für Islamismus-Prävention

Das Land stockt die Mittel für das hessische Netzwerk gegen Salafismus deutlich auf. Die Präventionsarbeit habe sich bewährt, sagt Hessens Innenminister Beuth. Mit dem zusätzlichen Geld sollen vor allem zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden.

Innenminister Beuth nimmt bei einer Rundreise durch Hessen mehrere Projekte gegen Extremismus in den Blick. Das Bild zeigt ihm beim Besuch des "beratungsNetzwerk hessen" an der Philipps-Universität in Marburg. Foto: dpa

Hessen verdreifacht die Geldsumme, die in die Präventionsarbeit gegen den radikalen Salafismus fließt. Das hessische Netzwerk gegen Salafismus erhalte für das laufende Jahr insgesamt 1,2 Millionen Euro, teilte Innenminister Peter Beuth (CDU) am Mittwoch in Frankfurt mit. Bei Gründung war das Netzwerk 2014 mit nur 400 000 Euro gestartet. Beuth hatte am Montag verschiedene Präventionsstellen in Hessen besucht und war auch in das Büro in Bockenheim gekommen, von dem aus die Arbeit des Netzwerks gegen Salafismus organisiert wird.

Die Arbeit des Netzwerks, die vom bundesweit tätigen „Violence Prevention Network“ (VPN) getragen wird, habe sich bewährt, sagte Beuth. „Wir sind sehr dankbar, dass wir auf diese Struktur zurückgreifen können.“ Bei gewaltbereiten Salafisten seien die Sicherheitsbehörden gefragt, es sei aber wichtig, dass es auch professionelle Aufklärungs- und Präventionsarbeit gebe. Die Mitarbeiter von VPN, die meist selbst einen muslimischen Hintergrund haben, hätten einen besseren Zugang zu gefährdeten Jugendlichen und ihren Familien, sagte der Minister.

Die Arbeit des Netzwerks werde von anderen Bundesländern bereits als „Blaupause“ für den Aufbau eigener Strukturen gegen islamistische Radikalisierung genutzt, so Beuth. In Hessen sind derzeit etwa 1500 Salafisten aktiv, eine Minderheit unter ihnen ist auch gewaltbereit.

Thomas Mücke, Geschäftsführer von VPN, sagte, er sei von Anfang an überrascht gewesen, wie groß der Beratungsbedarf in Hessen sei. Es sei daher gut, dass die Landespolitik mehr Geld zur Verfügung stelle. „Das ist ungewöhnlich“, sagte Mücke. Man könne jetzt weitere Mitarbeiter einstellen, darunter auch zwei, die eine Außenstelle in Kassel aufbauen sollten – Nordhessen habe sich neben dem Rhein-Main-Gebiet zu einem Schwerpunkt der salafistischen Szene entwickelt.

Zurück ins normale Leben

Momentan hätten die demnächst 15 Mitarbeiter von VPN Kontakt zu 77 gefährdeten Jugendlichen, sagte Mücke, darunter solche, die erst vor kurzem in die Szene abgerutscht seien, aber auch junge Männer, die sich in Syrien oder im Irak der Terrormiliz „Islamischer Staat“ angeschlossen hätten und nach Hessen zurückgekehrt seien. Bei der einen Gruppe sei das Ziel, eine Ausreise zu verhindern, bei den Rückkehrern gehe es, wenn sie nicht im Gefängnis seien, um Deradikalisierung und die Rückkehr in Schule, Ausbildung und Beruf. Daneben stehe VPN in Kontakt mit 98 Angehörigen, die für den oft langwierigen Deradikalisierungsprozess wichtig seien.

Die Arbeit mit Rückkehrern, solange sie nicht völlig verroht seien, sei einfacher, sagte Mücke. „Die haben schon einen Realitätsschock hinter sich.“ Rund 15 Prozent der jungen Männer seien Konvertiten, die meisten unter 25 Jahren. Neben der Arbeit mit den Jugendlichen berät VPN Schulen, Behörden und Flüchtlingsunterkünfte.

Hessen will 2016 insgesamt 3,8 Millionen Euro für Extremismus-Prävention ausgeben, auch die Mittel gegen Neonazis werden massiv aufgestockt.

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