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Moscheeverband Ditib will den Islamunterricht retten

Der Moscheeverband Ditib Hessen ändert seine Satzung, um seine Unabhängigkeit von der Türkei zu belegen.

Islamunterricht
Der Moscheeverband Ditib Hessen will weiter am islamischen Religionsunterricht mitwirken können. Foto: Imago

Der Moscheeverband Ditib Hessen hofft, weiter am islamischen Religionsunterricht mitwirken zu können. Der Landesverband hat seine Satzung geändert, um Vorgaben der Regierung zu entsprechen. Das bestätigte der hessische Ditib-Vorsitzende Salih Özkan der Frankfurter Rundschau am Dienstag. 

Mit der neuen Satzung soll ein Einfluss aus der Türkei oder vom Ditib-Bundesverband in Köln verhindert werden. Die Kölner Ditib-Zentrale steht unter dem Einfluss der türkischen Religionsbehörde. Deswegen gab es stets Bedenken, ob die Regierung in Ankara Einfluss auf den Religionsunterricht in Hessen nehmen könnte. Er wird von hessischen Beamtinnen und Beamten erteilt, die eine Weiterbildung für den Religionsunterricht absolviert haben und von Ditib anerkannt wurden. 

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte Ditib Hessen zu strukturellen Reformen aufgefordert, um die Unabhängigkeit von der Türkei sicherzustellen. Lorz will die Informationen, die bis Ende des Jahres eingehen, bewerten. Dann soll entschieden werden, wie es weitergeht. Man wolle sich „alle Fakten anschauen“, sagte Ministeriumssprecher Philipp Bender. 

Der Minister hatte Gutachten erstellen lassen, die Hinweise enthielten, wo Änderungen notwendig wären. So stellte der Staatsrechtler Josef Isensee fest, der Moscheeverband sei „organisatorisch, personell und finanziell von der Türkei abhängig“ und „voll einbezogen in die Hierarchie, die in der Staatsspit

ze gipfelt“.

Der Ditib-Landesvorsitzende Özkan versicherte hingegen: „Es gab und es gibt keinerlei Einflussnahmen von der Türkei.“ Der Verband sei aber „den Ratschlägen aus den Gutachten gefolgt, um Ängste aus der Welt zu schaffen“. Ditib habe seine Hausaufgaben gemacht. 

Zu den wichtigen Änderungen in der Satzung gehört, dass die Mitglieder des Landesvorstands künftig nicht mehr vom Bundesverband in Köln vorgeschlagen werden sollen. Vielmehr kann jedes Ditib-Mitglied für den Vorstand kandidieren. Abgeschafft wird die Funktion des Landeskoordinators, der von der Ditib-Zentrale in Köln eingesetzt war.

 

An seine Stelle soll eine Geschäftsleitung treten, die dem Landesverband zugeordnet ist. Es ist noch nicht geklärt, ob der bisherige Landeskoordinator diese Funktion wahrnimmt. 

Insbesondere in der CDU ist die Kooperation mit Ditib umstritten. Beim Parteitag der CDU im Juni hatte rund ein Drittel der Delegierten dafür votiert, die Zusammenarbeit „unverzüglich“ zu beenden – obwohl Parteichef Volker Bouffier eindringlich gebeten hatte, am vorgesehenen Zeitplan festzuhalten. 

Der Ditib-Landesvorsitzende Salih Özkan warnt vor einem Ausstieg. „Der islamische Religionsunterricht in Hessen ist ein Erfolgsmodell“, urteilt er. „So, wie es in Hessen gelebt wird, soll es weitergehen. Ich hoffe, dass die Vernunft überwiegen wird.“ 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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