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Lehrermangel Kultusminister Lorz bessert nach

In Hessen werden in den Sommerferien weniger Lehrkräfte arbeitslos als früher. Aus Sicht der GEW sind es immer noch zu viele.

Unterricht
Unterricht in Hessen: Wie oft er ausfällt, weiß der zuständige Minister nicht so genau. Foto: dpa

Es ist seit Jahren ein Ärgernis, das die Gemüter bewegt: Das Land Hessen schickt Lehrkräfte mit befristeten Verträgen für die Sommerferien in die Arbeitslosigkeit. So dürfte es auch in diesem Jahr rund 1000 Pädagoginnen und Pädagogen ergangen sein.

Genaue Zahlen liegen für den aktuellen Sommer nicht vor, aber für den vorigen. 2017 waren mehr als 1100 Lehrkräfte betroffen, davon besonders viele in den Schulamtsbezirken Frankfurt und Offenbach.

Diesmal hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) kurz vor den Ferien nachgebessert. Mit einem Erlass hat er dafür gesorgt, dass eine bestimmte Gruppe von Betroffenen weiterbezahlt wird. Das geht aus einer Antwort des Kultus-Staatssekretärs Manuel Lösel (CDU) auf Fragen der SPD-Abgeordneten Brigitte Hofmeyer hervor.

Die Regelung kommt jungen Lehrerinnen und Lehrern zugute, welche Ende Januar ihre Referendarszeit beendet haben, die heute den Namen „Lehrkraft im Vorbereitungsdienst“ (LiV) trägt. Wenn diese Lehrkräfte nach der Ausbildung einen befristeten Vertrag erhielten, wurden sie bisher im Sommer arbeitslos – selbst wenn sie eine feste Stellenzusage für das neue Schuljahr erhalten hatten. Damit ist nun Schluss. Die Betroffenen bekommen „eine Vergütung auch für den Sommerferienzeitraum“, schreibt Staatssekretär Lösel.

Das Problem beschäftigt die Politik seit Jahren. Bereits 2009 hatte der damalige Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) versprochen, dass befristet angestellte Pädagogen die Sommerferien „durchbezahlt“ würden. Er regelte das per Erlass, der bis heute gilt. Der verbesserte die Lage spürbar. Trotzdem wurden weiter Hunderte Lehrkräfte in den Sommerferien arbeitslos.

Vertretungslehrer wurden nur durchbezahlt, wenn sie mindestens 39 Wochen unter Vertrag gestanden hatten. Hier hat die Landesregierung nun die Hürden gesenkt. Jetzt reicht eine durchgehende Vertragslaufzeit von 35 Wochen aus, um in den Sommerferien Geld zu bekommen, wie das Kultusministerium erläutert.

„Es ist immer noch ein Problem“, konstatiert Maike Wiedwald, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen. Es sei „ein Unding, dass Lehrkräfte in den Sommerferien in die Arbeitslosigkeit entlassen“ würden, urteilt sie.

Die Gewerkschaften beobachten große Unterschiede zwischen den Schulamtsbezirken. Nach ihrem Eindruck geben sich manche Schulämter größte Mühe, damit möglichst wenige Lehrerinnen und Lehrer arbeitslos werden. Andere seien deutlich weniger engagiert, klagt Wiedwald.

Eine Lösung könnte nach Auffassung der GEW darin bestehen, Lehrkräfte fest für eine Vertretungsreserve anzustellen. Dort, wo jetzt befristet beschäftigte Pädagogen einspringen, etwa bei Schwangerschaftsvertretungen, könnte dann diese Reserve genutzt werden.

Jüngst hatte die Bundesagentur für Arbeit gemeldet, dass sich bundesweit 4900 Lehrkräfte arbeitslos gemeldet hätten. Danach lebten die mit Abstand meisten Betroffenen in Baden-Württemberg, gefolgt von Bayern und Niedersachsen. Das ist aus Sicht der GEW aber nur die Spitze des Eisbergs. Viele Lehrkräfte, die von den Ländern nicht durchgehend beschäftigt werden, meldeten sich nicht beim Arbeitsamt, sagt Wiedwald.

 

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