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Lehrer in Hessen Mehr Lehrkräfte mit befristeten Verträgen

Fast jeder zehnte Lehrer in Hessen hat einen befristeten Vertrag. Minister Lorz begründet die Zunahme mit mehr Lehrern insgesamt. Die Opposition sieht den Grund in den schlechten Arbeitsbedingungen an Schulen.

Unterricht
Ein Schüler meldet sich (Symbolfoto). Foto: Armin Weigel (dpa)

Mehr als 5000 Lehrerinnen und Lehrer in Hessen sitzen lediglich auf einer befristeten Stelle – und damit fast jede zehnte Lehrkraft. Das hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) im hessischen Landtag mitgeteilt. Die Zahl sei von rund 4900 auf etwa 5300 gestiegen.

Die Opposition wertete die Zunahme als Beleg dafür, dass die Arbeitsbedingungen der Pädagogen schlecht seien. Minister Lorz widersprach. Es gebe mehr Befristungen, weil es insgesamt so viele Lehrerinnen und Lehrer wie nie gebe. Daher müssten auch mehr Lehrkräfte vertreten werden, etwa wegen Erziehungszeiten oder eines Sabbatjahrs.

Für Christoph Degen (SPD), Wolfgang Greilich (FDP) und Gabi Faulhaber (Linke) sind die Befristungen hingegen ein Indiz für Missstände. Sozialdemokrat Degen zitierte am Donnerstag die Klage einer Schule über „hohe Krankenstände, ständigen Unterrichtsausfall“ sowie den „ignoranten Umgang“ des Ministeriums mit den Schwierigkeiten. Freidemokrat Greilich sprach von Berichten über „Überlastung, bürokratische Gängelung“ und dem „Gefühl des Alleingelassenwerdens“. Faulhaber sagte in Richtung der schwarz-grünen Koalition: „Ihre Jubelbotschaften kommen doch außerhalb dieses Hauses überhaupt nicht an.“

Politiker von CDU und Grünen hielten mit Zahlen dagegen. Heute gebe es 50 000 Schülerinnen und Schüler weniger als vor 20 Jahren, aber 9000 Lehrkräfte mehr, rechnete der Grüne Daniel May vor. Er räumte ein, dass seither zusätzliche Aufgaben auf die Schulen zugekommen seien, etwa Sprachförderung, Integration und Inklusion. Dafür stelle das Land aber auch „zusätzliche Ressourcen zur Verfügung“.

Sein CDU-Kollege Armin Schwarz teilte mit, dass innerhalb dieser fünfjährigen Wahlperiode insgesamt 4300 zusätzliche Stellen an den Schulen geschaffen würden. „Das gibt es in keinem anderen Bundesland“, betonte der Christdemokrat.

Die Lehrkräfte würden gut bezahlt. Das gelte auch im Vergleich mit Berlin, das neue Grundschullehrer und -lehrerinnen vom Angestelltentarif E12 auf E13 hochgestuft hatte. Selbst mit diesem Geld würden sie „nicht ansatzweise“ so viel erhalten wie hessische Lehrkräfte an Grundschulen, die in die Beamtenbesoldung nach A12 eingestuft werden.

Minister Lorz versicherte, er sei ständig damit befasst, die Arbeitssituation der Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern. „Eigentlich machen wir die ganze Zeit nichts anderes“, fügte er hinzu. So sei zum neuen Schuljahr die Arbeitszeit gesenkt worden. Der Kultusminister fügte die rhetorische Frage an: „Was soll denn eine bessere Entlastung sein?“

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