Lade Inhalte...

Landtag in Hessen Hase und Igel-Spiel im Landtag

Schwarz-Grün winkt am Ziel. So soll der Hase alt aussehen wie im Märchen, wenn der Igel kommt. Aber kann das funktionieren? Die Kolumne aus dem Landtag.

Gut gebrüllt, Pitt. Foto: FR

Der Luchs fühlt sich in Hessen wieder wohl, und sogar ein Wolf wurde jetzt in Südhessen gesichtet. Sensationell!

Die Tierwelt im Landtag ist weniger spektakulär. Aber manche politischen Winkelzüge erinnern an zwei Tiere, die aus einem Volksmärchen bekannt sind: den Hasen und den Igel.

Man muss dafür ein bisschen ausholen: Der SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel will mit einem „Hessenplan“ in den Landtagswahlkampf im nächsten Jahr ziehen. Er greift damit den legendären „Hessenplan“ und den „Großen Hessenplan“ des ebenso legendären SPD-Ministerpräsidenten Georg August Zinn aus den 1950er und 1960er Jahren auf. Es soll um den Bau von Wohnungen, Infrastruktur und Mobilität gehen.

Schade eigentlich, dass Schäfer-Gümbels neuer Hessenplan noch nicht vorliegt. Denn man kann ziemlich sicher sein, dass er in den nächsten Jahren in etwa umgesetzt worden wäre.

Das mag seltsam erscheinen, denn bekanntlich regiert die SPD ja gar nicht mehr in Hessen, und das schon seit 18 Jahren. Doch die regierenden Parteien CDU und Grüne haben ein neues Rezept entdeckt: den Igel spielen.

Erst entdeckten sie, dass viele Eltern die SPD-Forderung nach kostenfreier Kinderbetreuung gut finden. Dann kamen sie zu dem Schluss, dass die langjährige SPD-Forderung nach Schulsozialarbeitern durchaus berechtigt ist. Ob die SPD mehr Polizisten forderte oder mehr Geld für den Straßenbau – Schwarz-Grün war schon da. Ein Hase- und Igel-Spiel mit schlechten Karten für den Hasen SPD, der schon so lange vergeblich rennt.

Schwarz-grüner Igel winkt fröhlich am Ziel

Besonders gemein ist, dass der schwarz-grüne Igel schon fröhlich am Ziel winkt, bevor das Wettrennen überhaupt eröffnet wurde. Denn all die schönen Gaben aus sind schon längst verteilt worden, bevor Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Montag offiziell seinen Haushalt vorstellt – den ja eigentlich der Landtag beschließen muss. „Dreist“ und „schlechter Stil“ schimpft die SPD.

Was tut eine Opposition, deren Forderungen ins Leere laufen, weil die Koalition sie in großen Teilen übernimmt? Da liegen Ärger und Freude nah beieinander.

Schäfer-Gümbel stellte im Landtag fest, Opposition sei gar kein „Mist“, wie es der frühere SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering mal formuliert hatte. „Ohne den Druck der Opposition hätten Sie nichts gemacht“, hielt er der Koalition vor. Darauf gab CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg zurück: „Wenn es weiter schön ist für Sie, dann lassen wir es doch dabei.“ Zack, das saß.

Ein paar Tage später fügte Chef-Igel Boddenberg noch eine Spitze hinzu. Bei einer „Opposition, die allen alles verspricht“, könne eine Regierung gar nichts mehr auf den Weg bringen, was die Opposition noch nicht vorgeschlagen habe, begründete er die schwarz-grüne Anleihe bei SPD-Forderungen.

Nun sind wir doppelt gespannt: Auf den Hessenplan der SPD und auf das, was Schwarz-Grün daraus macht. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigt seit Jahren, wie man den Gegner mit dessen eigenen Mitteln schlägt – zuletzt, als sie die „Ehe für alle“ passieren ließ und damit ein mögliches Wahlkampfthema aus dem Weg räumte.

Im plattdeutschen Märchen gelingt dem Igel der Sieg allerdings nur mit Hilfe einer Täuschung. Der Igel, der am Ziel „Ick bün al dor!“ („Ich bin schon da!“) ruft, ist in Wahrheit gar nicht der richtige Igel, sondern dessen Frau. Nur merkt der Hase das nicht.

Manchmal gibt es so viel Naivität auch in der Politik. Aber nicht immer.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum