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Landtag in Hessen Guter Empfang

Bei den Neujahrsempfängen der Fraktionen gab es beste Unterhaltung. Die Kolumne aus dem Landtag in Hessen.

Urban Priol
Komiker Urban Priol in Aktion. (Symbolbild) Foto: Monika Müller

Ende Januar kann man mal Bilanz ziehen: Wie war das Jahr bisher? Welches war der beste Neujahrsempfang der Landtagsfraktionen?

Den größten hatte in jedem Fall die FDP mit mehr als 1200 Besuchern, während sich Linke und Grüne mit je 300 bis 400 Gästen zufrieden geben mussten. CDU und SPD empfangen traditionell erst später im Jahr.

Wer hatte die wichtigen Gäste zu bieten? Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kam jedenfalls nicht zum Ex-Koalitionspartner FDP und schon gar nicht zur Linken, sondern nur zum aktuellen Koalitionspartner, den Grünen. Da ließ er sich von seinen grünen Kabinettsmitgliedern Priska Hinz und Tarek Al-Wazir von der Bühne erklären, was seine Regierung alles ohne die Grünen nicht gemacht hätte (Jobticket, Schülerticket, FSC-Zertifizierung des Waldes). Bouffier ging recht früh. Aber das hatte wohl eher mit dem Groko-Stress in Berlin zu tun.

In den Kategorien beste Unterhaltung hatten zweifellos die Linken die Nase vorn. Deren Fraktionsvorsitzende Janine Wissler ist praktischerweise mit dem Aschaffenburger Kabarettisten Urban Priol befreundet, dem Mann, dessen Frisur immer aussieht wie nach einer Stunde Achterbahnfahrt.

So rasant fiel auch sein Jahresrückblick aus, für den die Fans sonst 30 Euro hinblättern. Bei der Linken gab’s ihn für die geladenen Gäste zum Nulltarif. Das ist ja etwas, was die Linken ohnehin gerne anstreben, etwa für den öffentlichen Nahverkehr. Vom Franken Priol bekam vor allem die CSU ihr Fett weg, aber auch die hessische Landespolitik. Die Wilhelm-Leuschner-Medaille für Ex-Ministerpräsident Roland Koch? Die Linke hält diese Auszeichnung von Bouffier für seinen Vorgänger für abwegig, zumal sie nach einem gewerkschaftlichen Widerstandskämpfer benannt ist.

Komiker Priol zeigte hingegen augenzwinkernd Verständnis. „Er war ein Widerstandskämpfer“, urteilte der Kabarettist über Koch, „er hat gegen alle Widerstände gekämpft“. Außerdem habe Koch dafür gesorgt, dass die Menschen „immerhin in Kassel-Calden vom Fluglärm verschont“ würden – dort also, wo die Regierung Koch für fast 300 Millionen Euro einen Flughafen bauen ließ, von dem kaum ein Jet abhebt.

Bouffier hat nicht viel Zeit für Neujahrsempfänge. Als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU muss der Hesse zwischen Wiesbaden und Berlin hin und her reisen, um eine neue Groko im Bund auf die Beine zu stellen.

Priol schwant dabei nichts Gutes. Da koaliere eine inhaltsleere Kanzlerin Angela Merkel („unsere Marienerscheinung“) mit einer SPD, deren hektische Aktivitäten ihn an den „Angsttrieb“ von Bäumen erinnerten: „ein letztes Aufbäumen vor dem Absterben“.

Bouffier wäre ja schon zufrieden, wenn aus den Groko-Verhandlungen nicht jedes Wort gleich nach außen getragen würde. Der Ministerpräsident twittert nicht, und er mag es auch nicht, wenn andere twittern. Jedenfalls nicht aus vertraulichen Gesprächen. Als er gemeinsam mit seinem Vize Al-Wazir in dieser Woche Bilanz zog, verriet Bouffier ein Geheimnis der schwarz-grünen Zusammenarbeit. „Wenn das hier anfangen würde mit Twitter, dann gäb’s das hier nicht mehr“, stellte er fest.

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