Lade Inhalte...

Landtag in Hessen Fachfremde Fachleute

Uli, die Eule, hilft der Landesregierung in Hessen, die Welt zu verstehen. Die Kolumne aus dem Landtag.

Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Foto: Michael Schick

Es wird oft geklagt, dass Menschen in der vom Geld getriebenen Welt zu schmalspurig ausgebildet würden. Die schwarz-grüne Landesregierung unternimmt in den eigenen Reihen etwas dagegen. Ihre Minister und Staatssekretäre machen seit Wochen eine Fortbildung nach der anderen, um sich auch fachfremd auf dem Laufenden zu halten.

Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) etwa schaut beim Kaliwerk K+S rein – nicht, weil es rechtliche Probleme zu beraten gäbe, sondern weil alle in der Regierung sich über den Zusammenhang von Ökologie und Ökonomie schlaumachen sollen. Deswegen lässt sich die Ministerin die „Kainitkristallisations- und Flotationsanlage“ bei K+S zeigen.

Europa-Staatssekretär Mark Weinmeister (CDU) hat sogar einen persönlichen Fortbildungsbeauftragten gefunden: Uli, die Eule. Die traf er in der Wolfgang-Fleischert-Schule in Melsungen. Die Staatskanzlei klärt auf: „Sie ist ein ,Erklär-Tier‘ und in Grundschulen und Kitas beliebt.“ Uli erklärt Energiesparen, Papiersparen und Kochen, und nun weiß das auch der große Mark.

Kai Klose von den Grünen ist als Staatssekretär für Integration und den Kampf gegen Diskriminierung zuständig. Klar, dass er eine Eichenpflanzung beim Forstamt Langen aufsuchte, um sich die Zertifizierung nach FSC-Standard erklären zu lassen, oder? Wo lässt sich Diskriminierung schließlich deutlicher erkennen als im Wald? Alle jene Bäume, die nicht als FSC-zertifizierte deutsche Eichen herumstehen, können ein Lied davon singen.

Womit wir bei Horst Seehofer wären. Wir wissen nicht, ob Seehofer das Modell einer Kainitkristallisationsanlage in seiner Modelleisenbahnstrecke aufgebaut hat. Aber eines wissen wir mit Gewissheit: Der neue Bundesinnenminister „vertritt stets klar seine Position, auch wenn es nicht einfach ist, und verteidigt sie auch bei Kritik“. So elegant hat der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Freitag über sein bisheriges bayerisches Pendant formuliert, was schlichtere Gemüter mit den Worten „Der Mann ist halsstarrig und unbelehrbar“ ausdrücken würden. Dann bedankte Bouffier sich noch „für das gute Miteinander“ und wünschte Seehofers Nachfolger als politischem Rammbock, Markus Söder (CSU), „viel Kraft und Durchsetzungsvermögen“. Darauf hat der Söder gerade gewartet!

Weder Seehofer noch Söder wurden von Bouffier jedoch als „große Demokraten“ gepriesen oder als Politiker, die „in Deutschland, Europa und weltweit“ hohes Ansehen genössen. Diese Spitzenbelobigungen hatte der Hesse in dieser Woche nur für eine übrig: Kanzlerin Angela Merkel, an deren neuer alter Koalition Bouffier eifrig mitgeschmiedet hat.

In der Eloge auf Merkel findet sich auch ein Satz, den sich Bouffier quasi selbst auf den Leib geschrieben hat: „In diesen Zeiten sind Stabilität, Kontinuität und die Bereitschaft, auf Neues einzugehen, wichtige Voraussetzungen für gutes Regieren.“ Hört sich an wie der Wahlslogan des CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Volker Bouffier.

Der benötigt dank seiner Stabilität und Kontinuität übrigens keine Fortbildung mehr. Während all seine Kabinettskollegen sich irgendwo im Wald oder bei Uli, der Eule, schlaumachen und selbst sein Sprecher Michael Bußer den Weg ins Landwirtschaftszentrum Eichhof nicht scheut, um dem Anbau von besonders eiweißhaltigen Futtermitteln beizuwohnen, meldet Bouffier: keine einschlägigen Termine. Sieht so aus, als kämen Ökonomie und Ökologie auch gut ohne den Regierungschef zurecht.

Pitt von Bebenburg lernt in jeder Landtagsdebatte Neues dazu. Und er twittert: @PvBebenburg

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum