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Landtag in Hessen Demokratie kann abhanden kommen

Schülerinnen und Schüler diskutieren im hessischen Landtag in Wiesbaden einen Tag lang über Gefahren für das politische System.

Stehtischrunde im Landtagsfoyer: Matthias Wagner (Grüne) diskutiert mit Schülerinnen und Schülern. Foto: Monika Müller

Munter und lebendig geht es zu im Foyer des hessischen Landtags. Die Stimmung der Mädchen und Jungen ist so aufgekratzt, dass man kaum darauf käme, welche schwerwiegenden Fragen an den Stehtischen verhandelt werden. Zum Beispiel dieses: „Kann uns die Demokratie abhandenkommen?“

Am Tisch der Wiesbadener Jugendinitiative Spiegelbild glauben die meisten Diskutanten: Ja, die Demokratie kann uns abhandenkommen. Es ist „Hessischer Demokratietag“, eine Veranstaltung für Schülerinnen und Schüler, die seit zehn Jahren an unterschiedlichen Orten organisiert wird. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik, des Kultusministeriums und anderer Organisationen.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) bezeichnet die Veranstaltung mit rund 200 Schülerinnen und Schülern aus ganz Hessen als „wichtige Bereicherung unseres politischen Gemeinwesens“. Wichtig sei eine „anregende Debattenkultur“, denn Demokratie dürfe nicht auf Aussagen in Kurznachrichtendiensten verkürzt werden, sagt Lorz. Deswegen lautet das Motto des Tages auch: „Demokratie braucht mehr als 140 Zeichen.“

Und warum könnte sie uns abhandenkommen? An einem der zehn Stehtische, an denen Landtagsabgeordnete mit den jungen Leuten diskutieren, begründet Vincent Michel von der Frankfurter Ernst-Reuter-Schule II seine Befürchtung. Die Geschichte zeige die Gefahr eines undemokratischen Systems, sagt er – und verweist auf die DDR.

Auch Maximilian Jung vom Wiesbadener Campus Klarenthal hält die Demokratie nicht für gesichert. Er beobachte „eine kritische Masse an rechten Hardlinern“ in Europa, „die immer welche finden, die leichtgläubig sind“. Das mache ihm Sorgen, fügt der 16-Jährige hinzu.

Die gleiche Frage wird kurz danach auf einem Podium mit Vertretern der Jugendorganisationen von politischen Parteien diskutiert. Sie sind sich einig, dass man sich für Demokratie einsetzen muss, um sie zu erhalten. Kaweh Mansoori von den Jungsozialisten erzählt, dass seine Eltern aus einem Land gekommen seien, „in dem es keine Demokratie gibt und die Religionswächter den Ton angeben“ – nämlich dem Iran. „Wir müssen dafür werben, dass freie Wahlen und Meinungsfreiheit etwas Gutes sind“, sagt er.

Zwei junge Teilnehmerinnen aus Mörfelden-Walldorf hören ihm zu, Sandrine Arnoul (14) und Anna Katharina Steidle (11). Vorher haben sie über Demokratie in der Schule diskutiert und sich dafür ausgesprochen, dass Schülerinnen und Schüler mitreden können – etwa wenn es um das Ziel des nächsten Klassenausflugs geht. „Kinder sind die Zukunft“, sagt die elfjährige Anna Katharina mit Überzeugung. Den Satz hat jemand beim Demokratietag gesagt, und sie fand ihn gut. „Weil der Satz stimmt.“

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