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Landtag in Hessen Alles super, alles doof

Wohlbefinden ist politisch. Vor allem in Wahlkampfzeiten. Die Kolumne aus dem Landtag in Hessen.

Thorsten Schäfer-Gümbel
Thorsten Schäfer-Gümbel fühlt sich in Hessen total wohl. Foto: Andreas Arnold

Thorsten Schäfer-Gümbel, der Vorsitzende der hessischen SPD, fühlt sich in Hessen „total wohl“. Und gibt es auch noch zu. Ungeheuerlich!

Außerhalb des Landtags würde man es für eine Selbstverständlichkeit halten, dass sich jemand dort wohlfühlt, wo er seit über 40 Jahren lebt, seine Familie hat und wo er auch noch Ministerpräsident werden will. Aber in der Politik ist das nicht so einfach wie im richtigen Leben.

Je näher die Landtagswahl rückt, desto berechenbarer werden die Debatten im Parlament. Die schwarz-grüne Koalition findet, dass alles gut ist in Hessen. Die Opposition findet alles schlecht. Darf sie sich da überhaupt noch wohlfühlen?

Fast jede Debatte im Landtag läuft derzeit nach dem gleichen Muster ab. An den Schulen? „Hervorragende Ressourcenausstattung und eine qualitätsorientierte Bildungspolitik als Garant der Zukunft unseres Landes“, jubelt die CDU. Also antwortet die SPD: „Angesichts der aktuellen Lage an den Schulen immer noch zu behaupten, alles sei hervorragend, zeigt, dass Schwarz-Grün komplett den Bezug zur Realität verloren hat.“

Wirtschaftspolitik? „19 Jahre CDU-Verantwortung schaden dem Wirtschaftsstandort Hessen“, klagt die SPD. Was erwidert die Union? Natürlich, „Hessen ist einer der dynamischsten und innovativsten Wirtschaftsstandorte in der Bundesrepublik“.

Verkehrspolitik? Die SPD entdeckt „Bouffiers bröckelnde Brücken und Al-Wazirs Schlaglöcher“. Von wegen, entgegnen die Christdemokraten: „Die Landesregierung stärkt konsequent Hessen als Verkehrsdrehscheibe Nummer 1 in Deutschland und legt den Grundstein für die Mobilität des 21. Jahrhunderts“. Zack, da darf kein Superlativ fehlen!

So zog sich das durch die ganze Woche. Alles super, behaupteten CDU und Grüne. Alles doof, fanden SPD, Linke und FDP.

Und dann das! „Ich fühle mich in Hessen total wohl, wie 98 Prozent der Hessinnen und Hessen“, räumte Schäfer-Gümbel ein. Heikel, heikel. Da durfte der entscheidende Nachsatz in Richtung Schwarz-Grün nicht fehlen: „Aber entgegen Ihren Erwartungen hat das nichts mit Ihrer Landesregierung zu tun“.

CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg nahm es trotzdem mit Vergnügen zur Kenntnis. „Ich freue mich darüber, dass Sie sich wohlfühlen“, entgegnete er. Immerhin pflegt die Landesregierung von Volker Bouffier damit zu werben, dass sich ihren eigenen Umfragen zufolge die meisten Menschen in Hessen wohl fühlen.

Immerhin gestanden die Christdemokraten dem SPD-Vorsitzenden seine gute Laune zu. Ansonsten unterstellen sie den Sozialdemokraten gerne, sie malten bloß deswegen schwarz, weil sie schlechte Laune hätten. Doch Günter Rudolph, der Wadenbeißer der hessischen SPD, weiß mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Angriffslustig, aber nicht eben gut gelaunt, knurrte der parlamentarische Geschäftsführer der Sozialdemokraten zurück: „Wann ich schlechte Laune habe, bestimme ich immer noch selbst.“

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