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Landesschülervertretung in Hessen Tausende Unterrichtsausfälle an einem Tag

Eine Stichprobe der Landesschülervertretung zeigt ein hohes Maß an Unterrichtsausfällen in Hessen. Ein Sprecher des Kultusministeriums nennt die Zahlen „offensichtlich nicht repräsentativ“.

Die Schülervertreter hatten für ihre Stichprobe die Vertretungspläne von 97 weiterführenden Schulen für Mittwoch, 11. April, ausgewertet. Foto: Imago

Laut einer Stichprobe der Landesschülervertretung (LSV) fallen an Hessens Schulen täglich Tausende von Unterrichtsstunden aus. Insgesamt kommt die LSV dabei auf rund 16 500 Stunden täglich. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte zuletzt immer wieder versichert, es gebe in Hessen „im Regelfall“ keinen Unterrichtsausfall.

Die Schülervertreter hatten für ihre Stichprobe die Vertretungspläne von 97 weiterführenden Schulen für Mittwoch, 11. April, ausgewertet. Dort fielen demnach insgesamt 1605 Stunden aus, wie die LSV am Freitag mitteilte. Weitere 1547 Stunden wurden durch andere Lehrkräfte vertreten. 

Hochgerechnet auf die rund 1000 weiterführenden Schulen in Hessen kommt die Schülervertretung auf einen Ausfall von 16 500 Stunden allein an dem zufällig ausgewählten Mittwoch.

Landesschulsprecher Fabian Pflume zeigte sich schockiert: „Wir haben eine hohe Zahl erwartet, aber dieses Ergebnis ist jenseits jeder Erwartung. 16 480 ausfallende Schulstunden, diese Zahl ist schlichtweg erschlagend“, sagte Pflume. Die Landesregierung dürfe nicht weiter die Augen verschließen und müsse anfangen, Unterrichtsausfall ernstzunehmen.

Ein Sprecher des Kultusministeriums nannte die Zahlen auf Anfrage der Frankfurter Rundschau „offensichtlich nicht repräsentativ“. An der Umfrage hätten sich nur die Schülervertreter „bestimmter Schulen“ beteiligt, sodass kein realistisches Bild entstanden sei. 

Der Sprecher wiederholte die Aussage von Kultusminister Lorz, wonach es in der Regel keinen Unterrichtsausfall in den Grundschulen sowie der Mittelstufe gebe. Anders verhalte es sich in der gymnasialen Oberstufe. Dort sei Vertretungsunterricht nicht nötig, da die Schülerinnen und Schüler alt und reif genug seien, selbstständig zu lernen und zu arbeiten. Auch sei dort Vertretungsunterricht aus Gründen der „besonderen Fachlichkeit“ nicht immer sinnvoll. 

Nach Angaben des Sprechers verfügt das Ministerium selbst über keine Zahlen hinsichtlich der Stundenausfälle. Diese würden lediglich an den jeweiligen Schulen direkt erfasst und nicht zentral gesammelt. Scharfe Kritik am Kultusministerium übt der schulpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Wolfgang Greilich. „Die Stichproben der Landesschülervertretung zum Unterrichtsausfall belegen, dass sich das Kultusministerium bewusst blindstellt“, sagte er. Dort werde nach dem Motto „nichts sehen – nichts hören – nichts sagen“ gehandelt. Die Zahlen zum Unterrichtsausfall seien ein Alarmsignal. 

Es könne nicht sein, dass die Opposition die Anhörung zur Arbeitsbelastung der Schulleitungen und Lehrkräfte durchführen müsse und die Interessenvertretung der Schüler statistische Daten erhebe und auswerte, wie sie auch mit Hilfe der schulischen Verwaltungssoftware LUSD problemlos gesammelt werden könnten, monierte Grelich. 

Im vergangenen Jahr war ein internes Papier des Kultusministeriums zum Ausfall von Sportunterricht bekanntgeworden. Darin hieß es, im Schuljahr 2015/16 hätten von 22 700 vorgesehenen Sportstunden 5700 nicht stattgefunden. 

Als Gründe dafür hatte das Ministerium organisatorische Schwierigkeiten oder fehlende Sporthallen angeführt. Grundsätzlich gebe es an Grundschulen und in der Mittelstufe im Rahmen der „verlässlichen Schule“ die Garantie auf feste Unterrichtszeiten. 

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