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Künstlersozialkasse Applaus, aber wenige Einkommen

Hessische Künstlerinnen und Künstler verdienen im Schnitt rund 16.000 Euro im Jahr.

Straßenmusiker
Auch Straßenmusiker wie hier in Wiesbadens Fußgängerzone haben einen harten Überlebenskampf. Foto: Michael Schick

Als Künstler wird man meistens nicht reich. Die knapp 12 000 hessischen Künstler, die in der Künstlersozialkasse versichert sind, kommen auf ein durchschnittliches Einkommen von 16 381 Euro im Jahr. Das hat Kunstminister Boris Rhein (CDU) auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Martina Feldmayer mitgeteilt.

Dabei verdienen Frauen mit durchschnittlich gut 14 000 Euro wesentlich schlechter als Männer, die auf gut 18 500 Euro kommen. Immerhin sind die Einkommen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2010 lagen sie noch um 2300 Euro niedriger als heute.

„Vom Applaus allein kann man nicht leben“, kommentierte die Grünen-Abgeordnete Feldmayer. „Wir haben uns deshalb zum Ziel gesetzt, die Situation von Künstlerinnen und Künstlern in Hessen weiter zu verbessern.“ Denkbar sei, Berufsanfängern etwa mit vergünstigten Ateliermieten den Start zu erleichtern. Die Grünen-Politikerin kündigte an, im Gespräch mit den Beteiligten Vorschläge zu sammeln. „Dabei werden wir auch gezielt die Förderung von Künstlerinnen und kulturschaffenden Frauen anschauen“, fügte Feldmayer hinzu.

„Unverschämte Gagen“

Seit vielen Jahren machen Künstlerinnen und Künstler schlechte Arbeitsbedingungen und miserable Bezahlung zum Thema. Die Initiative „art but fair“ startete eine Facebook-Seite mit dem Titel „Die traurigsten & unverschämtesten Künstlergagen und Auditionserlebnisse“.
Dort reicht die Liste der Beispiele von der Suche nach einem Pianisten für „ca. 50 bis 150 Euro“ bis zur Mindestgage für künstlerische Beschäftigte an deutschen Theatern, die gerade auf 1850 Euro angehoben wurde. „Die Mindestgage bleibt skandalös niedrig“, kommentiert „art but fair“.
Bernd Hesse, der Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und Soziokulturellen Zentren in Hessen (LAKS), weist darauf hin, dass die Künstler den Kulturbetrieb mit ihren Ideen am Laufen hielten. „Der größte Teil des Umsatzes geht aber in andere Kanäle hinein“, stellt Hesse fest.

Er appelliert an Veranstalter, Hörfunk und Fernsehen, auch unbekannten Künstlern eine Bühne zu bieten. Es müsste nicht „immer die gleiche Coverband“ zum Stadtfest eingeladen werden, sagte er der FR. Hesse wünscht sich, dass Veranstalter eine Mindestgage bieten könnten. Der LAKS-Vorsitzende Florian Haupt vom Kulturzentrum Das Rind in Rüsselsheim weist allerdings darauf hin, wie schwierig das für gering subventionierte Einrichtungen ist.

Die Statistik zeigt, dass Musikerinnen und Musiker besonders schlecht bezahlt werden. Sie kommen im Schnitt auf 14 000 Euro, die Frauen sogar auf weniger als 12 000 Euro – also nicht einmal 1000 Euro im Monat.

Schauspielerinnen und Schauspieler müssen sich mit durchschnittlich 14 800 Euro begnügen. Maler und andere bildende Künstler geben ein Einkommen von knapp 16 800 Euro an. Am besten kommen noch Autoren weg. Sie verfügen über gut 20 000 Euro Jahreseinkommen.

Vor allem junge Künstlerinnen und Künstler haben es schwer, mit dem Geld über die Runden zu kommen. Schauspielerinnen und andere darstellende Künstlerinnen unter 30 Jahren mussten sich mit einem Einkommen von 8500 Euro begnügen. Ihre männlichen Kollegen brachten es auf 9200 Euro.

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