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Kifög Kleine Kita-Träger sind in Sorge

Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) hört Praktikern zu, grundlegende Änderungen am umstrittenen Kifög sind jedoch nicht zu erwarten. Die wenigsten Träger haben auf das neue System umgestellt, bei dem Geld nach der Zahl der Kinder und nicht nach der Zahl der Gruppen fließt.

Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner. Foto: ROLF OESER

Sechs Stunden lang haben Praktiker und Verbandsvertreter am Mittwoch mit Politikern in der hessischen Staatskanzlei beraten, wie die Bedingungen für die Kinderbetreuung verbessert werden können. Teilnehmer lobten das gute Klima und die Zugewandtheit von Sozialminister Stefan Grüttner (CDU). Die Runde solle in gut einem Jahr wieder zusammenkommen, kündigte der Minister nach Informationen der Frankfurter Rundschau an.

Grüttner will Erfahrungen mit Kifög auswerten

Grundlegende Änderungen an dem umstrittenen Kinderförderungsgesetz (Kifög) sind in den nächsten Monaten nicht zu erwarten. Wie sich bei dem runden Tisch zeigte, haben erst die wenigsten Träger auf das neue System umgestellt, bei dem Geld nach der Zahl der Kinder und nicht nach der Zahl der Gruppen fließt. Es bestätige sich, dass vor allem kleine Träger in Sorge seien, ob sie ihre Einrichtungen halten könnten, sagte der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Märtin. Es sei jedoch nur ein Beispiel genannt worden, bei dem eine Einrichtung bereits den Träger habe wechseln müssen.

Grüttner kündigte beim runden Tisch an, dass Wissenschaftler vom Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik die Erfahrungen mit dem Kifög auswerten. Konsequenzen aus dieser Evaluation könnten erst 2016 gezogen werden.

Teilnehmer erwarten Korrekturen

Kleinere Korrekturen, die gleichwohl für die Träger große Bedeutung besitzen, dürften aber bereits vorher fällig sein, erwarten Teilnehmer des runden Tisches. So habe sich gezeigt, dass die sogenannten Betreuungsmittelwerte, mit denen Zuschüsse für Gruppengrößen und Betreuungszeiten berechnet werden, nicht immer sachgerecht seien. „Ich kann mir vorstellen, dass eine solche Korrektur schneller kommt“, sagte der Vorsitzende des Landesjugendhilfeausschusses, Marek Körner.

Ebenso wie der Caritas-Experte Jürgen Hartmann-Lichter zeigte sich Körner erfreut, dass es beim runden Tisch um Qualität von Kinderbetreuung gegangen sei. Dies spiele beim Kifög ebenso eine Rolle wie bei der Betreuung der Unter-Dreijährigen oder der Förderung von Fachkräften, sagte Körner. Sein Vorschlag, ein Landesprogramm zur Qualifizierung von Leitungskräften in Betreuungseinrichtungen aufzulegen, sei positiv aufgenommen worden.

GEW-Vertreter Märtin bedauerte, dass die bessere Verzahnung von Schulen und Kitas nur am Rande eine Rolle gespielt habe. Diese Diskussion müsse intensiver geführt werden.

"sachlich, aber unbefriedigend"

Der Direktor des Landkreistags, Jan Hilligardt, lobte den runden Tisch, nannte ihn aber „längst überfällig“. Der SPD-Abgeordnete Gerhard Merz sagte, das Gespräch sei „sachlich“ gewesen, aber „unbefriedigend, weil zu viele Themen in zu kurzer Zeit abgewickelt“ werden sollten.

Die Linken-Sozialpolitikerin Marjana Schott sprach von einem „erfreulich guten und konstruktiven Arbeitsklima“. Das Kifög müse aber geändert werden, da es gerade kleine Träger in Existenznot bringe und den Wünschen von Eltern nach langen Öffnungszeiten nicht gerecht werde.

Der FDP-Abgeordnete René Rock lobte das „fachlich gute Niveau“. Ob der Minister die vorgetragenen Punkte aufnehme, werde sich aber erst bei den Haushaltsberatungen zeigen.

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