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Jugendrecht Hohes Tempo im Strafverfahren

Die hessische Justiz setzt auf Häuser des Jugendrechts. Doch die Einrichtungen eignen sich nicht für alle Delikte.

Jugendliche beim Fußballspielen
Wenn Jugendliche mit dem Gesetz in Konflikt geraten, können Häuser des Jugendrechts sehr hilfreich sein. Foto: Renate Hoyer

Möglichst viele Institutionen, die an Strafverfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende beteiligt sind, unter einem Dach zu versammeln, das ist das Konzept der Häuser des Jugendrechts. Drei davon gibt es in Hessen – zwei in Frankfurt (für die nördlichen und die westlichen Stadtteile), eines in Wiesbaden. Die FR beantwortet Fragen zu den Einrichtungen.

Wer arbeitet im Haus des Jugendrechts? 
Die größte Gruppe stellt stets die Polizei. Hinzu kommen Staatsanwälte und Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe. Auch Institutionen, die den Täter-Opfer-Ausgleich organisieren, sind im Haus des Jugendrechts vertreten.

Was sind die Vorteile, wenn diese Institutionen unter einem Dach arbeiten? 
Es gibt weniger Reibungsverluste. Statt Akten hin- und herzuschicken und den jeweils zuständigen Sachbearbeiter zu erfragen, können sich alle Beteiligten schnell an einen Tisch setzen und das Vorgehen in einem bestimmten Fall besprechen. Dadurch werden die Verfahren deutlich abgekürzt.

Warum ist es so wichtig, im Jugendstrafrecht aufs Tempo zu drücken? 
Alle kriminologischen Studien im Jugendstrafrecht sagen, dass die Zeit zwischen Tat und Urteil so kurz wie möglich sein soll. Die Jugendlichen und Heranwachsenden müssen erkennen, dass es einen direkten Bezug zwischen Fehlverhalten und Bestrafung gibt. Zudem gilt es bei Jugendlichen noch mehr als bei Erwachsenen, einer Fehlentwicklung so schnell wie möglich entgegenzuwirken. Umgangssprachlich formuliert: Wer in jungen Jahren auf die schiefe Bahn geraten ist, soll dort so kurz wie möglich bleiben.

Durchläuft jeder Jugendliche, der in Frankfurt oder Wiesbaden eine Straftat begeht, das Verfahren im Haus des Jugendrechts? 
Nein. Die Häuser in Frankfurt sind nur für die westlichen und die nördlichen Stadtteile zuständig. Entscheidend ist der Wohnsitz des Beschuldigten. Weitere Häuser des Jugendrechts sind in Planung. Ausgenommen von dem Verfahren sind zudem politisch motivierte Straftaten, Mord, Totschlag und Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Für diese Delikte gibt es bei der Staatsanwaltschaft Fachdezernate.

Ersetzt das Prozedere im Haus des Jugendrechts das Strafverfahren im Gerichtssaal? 
Nein. Wenn die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, kommt es – wie bei Erwachsenen auch – zu einem Strafprozess, den ein Richter leitet. Von Anfang an werden auch Verteidiger einbezogen. Der Jugendliche/Heranwachsende hat im Haus des Jugendrechts dieselben Rechte wie jeder Beschuldigte. Allerdings geht es in den Einrichtungen auch um Prävention. Wenn etwa die Polizei feststellt, dass ein Jugendlicher seit einiger Zeit immer wieder straffällig wird, kann ein Runder Tisch einberufen werden, an dem auch die Eltern des Beschuldigten teilnehmen. Ziel ist es dann, weiterere Straftaten zu verhindern.

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