Lade Inhalte...

Hessenwahl Kreis Offenbach Rot-Grün-Rot als kleineres Übel

Die SPD im Kreis Offenbach warnt vor einer großen Koalition, die CDU dagegen vor Experimenten.

Die Linke steht Kopf, Frank Lortz lächelt: Wahlplakate in Rödermark. Foto: Monika Müller

Am Morgen nach der Landtagswahl ist bei der CDU noch viel von der Euphorie des Wahlabends zu spüren. Die erfolgreichen Landtags- und Bundestagskandidaten haben die Nacht über gefeiert, schon um 8 Uhr war die erste Konferenz, und auch um 10 Uhr ist von Müdigkeit oder gar Katerstimmung angesichts des unklaren Wahlergebnisses nichts zu spüren.

Die CDU, sagte Kreisvorsitzender Frank Lortz am Montagvormittag stolz, habe im Kreis Offenbach alles erreicht, was sie sich vorgenommen habe – und sogar noch mehr: „Wir haben alle Direktmandate für den Bundes- und den Landtag erobert, wir sind die stärkste politische Kraft im Kreis, und wir liegen mit unserem Ergebnis deutlich über dem Landes- und Bundestrend.“

Der Kreis Offenbach bleibt also schwarz oder ist sogar noch schwärzer geworden. Bis zu 20 Prozentpunkte Abstand zur SPD bei den Erststimmen hat die CDU in manchen Wahllokalen, Lortz holte in seinem Heimatort Froschhausen sogar 69 Prozent der Erststimmen: „Das ist doch eine schöne Bestätigung.“

Für ihn steht fest: „Die CDU ist der Wahlsieger, das ist ganz unbestritten. Ich gehe davon aus, dass es eine stabile Landesregierung unter Führung von Volker Bouffier geben wird“, sagte Lortz, der seit Jahrzehnten als enger Freund des hessischen Ministerpräsidenten gilt. Die stärkste Fraktion habe ganz klar den Auftrag zur Regierungsbildung. Nur mit wem?

Gute Erfahrungen mit der Ampel

Im Kreis Offenbach regieren CDU und SPD seit vielen Jahren in einer großen Koalition „in einer hervorragenden Zusammenarbeit“, wie Lortz sagte. Ein Modell auch für Hessen? Jetzt sei es Zeit für Verhandlungen „mit allen demokratischen Parteien“ – die Linke zählt nach Lortz‘ Auffassung nicht dazu. „Die demokratischen Parteien können immer miteinander koalieren“, sagte er. „Dann muss man eben Abstriche machen.“ Und eines ist für Lortz schon so gut wie sicher: „Eine rot-rot-grüne Verratskiste wie 2009 ist für mich völlig unvorstellbar. Hessen mit seiner starken Wirtschaftskraft kann sich keine Experimente erlauben.“ Wenn er da mal nicht zu sicher ist...

Denn zumindest die SPD im Kreis Offenbach machte gestern klar, dass die große Koalition für sie alles andere als erste Wahl ist. „Es gibt eine Mehrheit jenseits der CDU“, sagte Unterbezirkschef Carsten Müller am Vormittag im Kreishaus. „Ob sie zum Einsatz kommt, werden wir sehen.“ Bouffier dagegen müsse erstmal sehen, wie er eine Mehrheit im Landtag zusammenbekommen will.

Bei den Mitgliedern gebe es eine große Abneigung gegen eine Koalition mit der CDU, sagte Müller – und erinnerte etwa an die CDU-Parteispendenaffäre und die angeblichen „jüdischen Vermächtnisse“, aber auch an frühere Wahlkampf-Kampagnen der CDU. „Die Genossen im Kreis haben nicht vergessen, dass vor fünf Jahren plakatiert wurde: ,Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen‘“, sagte Müller. Die „alte Dregger-CDU“ sei noch immer im Landtag vertreten. Müller warnte außerdem vor dem Merkel-Effekt, den die SPD nach der Koalition mit der CDU zu spüren bekommen habe, als sie bei der Bundestagswahl 2009 abstürzte.

Ein Bündnis mit den Grünen und der Linken wollten gestern dagegen weder Müller noch einer der Direktkandidaten für Bundes- und Landtagswahl ausschließen. Müller sagte, er habe am Wahlabend mit keinem SPD-Mitglied gesprochen, das gesagt habe, eine Zusammenarbeit mit der Linken komme für ihn auf keinen Fall in Frage.

Corrado Di Benedetto, der über die Landesliste erstmals in den Landtag einzieht, warnte davor, die Linke zu dämonisieren. Jens Zimmermann aus Groß-Umstadt, der für den Wahlkreis Odenwald erster Nachrücker in den Bundestag wäre, sagte am Montag, er habe im Wahlkampf größere Vorbehalte gegen eine große Koalition als gegen ein rot-grün-rotes Bündnis gespürt. „Es gibt eine klare Tendenz: Rot-Rot-Grün wäre das kleinere Übel“, sagte der Rodgauer Landtagskandidat Ralf Kunert.

Eine Ampelkoalition von SPD, FDP und Grünen brachte dagegen der Offenbacher SPD-Chef Felix Schwenke gestern ins Spiel. Mit solch einem Bündnis habe man in Offenbach gute Erfahrungen gemacht.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen