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Hessenwahl-Ergebnisse Frankfurter Römer Die FDP stürzt ab

Der Wahlabend im Frankfurter Römer: Die CDU feiert, die FDP trauert, SPD und Grüne setzen auf Rot-Grün im Land.

Wiedergewählt: Erika Steinbach (CDU) nimmt die Gratulation von CDU-Chef Uwe Becker entgegen. Foto: Michael Schick

Die sechs Stunden im Römer zwischen 18 Uhr und Mitternacht bieten alles an Emotionen: Blankes Entsetzen, Freudenküsse, Jubelschreie, aber auch enttäuschtes Schweigen beim Bier. Der lange Abend mit Bundestags- und Landtagswahl gibt fast allen beteiligten Parteien am Ende die Chance, für sich etwas Gutes herauszulesen. Nur die FDP fällt in ein tiefes, schwarzes Loch: Sie verliert ihre Sitze in beiden Parlamenten, stürzt beim Frankfurter Ergebnis ab.

Steinbach strahlt

Die CDU gewinnt wie schon bei der Bundestagswahl 2009 beide Frankfurter Wahlkreise direkt. Die CDU-Rechte Erika Steinbach (Wahlkreis 183) und der CDU-Linke Matthias Zimmer (Wahlkreis 182) vertreten die Stadt im Bundestag. Steinbach strahlt, lässt sich gratulieren. „Ich bin sehr glücklich, vor allem, weil ich dieses Mal so hart persönlich angegriffen wurde wie noch nie.“ Zimmer lobt den großen Sieg der Bundeskanzlerin: „Es ist eine großartige Sache, wie Angela Merkel die Partei aufgestellt hat.“ 2009 hatte die CDU auch alle sechs Landtagswahlkreise gewonnen – das gelingt ihr erneut. Allerdings entwickelt sich um den Wahlkreis 35 ein sehr spannendes Duell zwischen Gernot Grumbach (SPD) und Ulrich Caspar (CDU), das Caspar knapp für sich entscheidet. Die CDU feiert dennoch. „Es ist unser bestes Ergebnis seit 28 Jahren – die Menschen haben sich für Angela Merkel entschieden.“: Ein strahlender CDU-Kreisvorsitzender Uwe Becker redet gerne über das Bundestags-Resultat. Am späten Abend kommt Innenminister Boris Rhein (CDU) in den Römer. Er sagt, Schwarz-Grün “nach Frankfurter Vorbild“ halte er in Hessen für plausibel. Zu Rot-Rot-Grün: „Ich glaube nicht, dass Thorsten Schäfer Gümbel starten will mit einem gebrochenen Wahlversprechen.“

Doch halt: War da nicht was? Bis zum Wahlabend hatte die CDU in Bund und Land einen Koalitionspartner. Doch die FDP verschwindet an diesem Abend buchstäblich im Nichts. Ein bleicher Hans-Joachim Otto wird von Journalisten und Kameras bedrängt. „Ich habe schon viel erlebt, aber das ist die bitterste Stunde von allen“, sagt er leise. Der Partei-Veteran, bisher Staatssekretär in Berlin, will den Absturz seiner Partei „demütig entgegennehmen“. Die FDP müsse jetzt „ohne Tabus“ die Gründe analysieren. Und dann ruft Otto trotzig: „Es geht weiter!“ Wenig davon entfernt kämpft die FDP-Fraktionsvorsitzende im Römer, Annette Rinn, mit den Tränen. „Lebbe geht weider“, sagt sie schließlich, den Fußballtrainer Stepanovic zitierend. Aber Rinn ist sicher: „Die FDP wird nicht sterben, dafür ist die liberale Idee zu gut.“ Die Sozialdemokraten richten zu diesem Zeitpunkt schon längst den Blick nach vorne. Weg von Berlin – hin nach Wiesbaden, auf die erhoffte rot-grüne Landesregierung. Nach diesem Ergebnis müsse die SPD im Landtag jetzt prüfen, „mit welcher Partei sie die meisten Übereinstimmungen feststellt“, sagt SPD-Unterbezirkschef Mike Josef.

Nichts ausgeschlossen

Zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass nur noch CDU, SPD, Grüne und Linke dem Landtag angehören. Aber hat die SPD nicht ausgeschlossen, mit den Linken zusammenzuarbeiten, fragt ein Journalist. „Wir haben nichts ausgeschlossen,“ sagt Josef trotzig. Da sind die Grünen schon einen Schritt weiter. Der Frankfurter Landtagsabgeordnete Marcus Bocklet schlägt vor, SPD und Grüne sollten einen Koalitionsvertrag vorlegen – und den dann „mit allen Landtagsfraktionen diskutieren“. Über eine mögliche Duldung einer rot-grünen Landesregierung durch die Linken könne die SPD dann in einem Mitgliederentscheid abstimmen. Die Grünen sind von ihrem Abschneiden auf Bundesebene enttäuscht. Der Stadtverordnete Uwe Paulsen spricht von einer „historischen Niederlage in Berlin“. Die Grünen müssten sich jetzt auch auf Bundesebene „für Schwarz-Grün öffnen“. Doch mit dieser Haltung bleibt Paulsen alleine. Manuel Stock, Fraktionschef im Römer, kritisiert allerdings den grünen Bundes-Wahlkampf: „Man hätte von vorneherein auf Energiewende und Umweltschutz setzen müssen – auf die Themen, wo uns die Leute was zutrauen.“

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