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Hessen-Wahl SPD "Haben das Tal der Tränen durchschritten"

Die Frankfurter Sozialdemokraten setzen auf eine rot-grüne Landesregierung mit Duldung durch die Linkspartei und freuen sich darüber, dass Schwarz-Gelb die Mehrheiten bei der Landtags- und Bundestagswahl eingebüßt hat.

Die SPDler Peter Feldmann (rechts) und Turgut Yüksel im Frankfurter Römer. Foto: Andreas Arnold

Am Anfang sind sie noch enttäuscht. Doch zum Ende dieses langen Wahlabends hin hellen sich die Mienen der Sozialdemokraten immer mehr auf. Ein zufriedenes Lächeln herrscht vor.

„Ach, du Scheiße“, entfährt es dem Landtagskandidaten Turgut Yüksel, als die Prognose um 18 Uhr die Sozialdemokraten im Bundestag nur bei 26 Prozent verortet. Aber Stunden später, als sich Oberbürgermeister Peter Feldmann, SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling und der Unterbezirkschef Mike Josef den Journalisten stellen, herrscht eine andere Lesart vor. „Wir sind hochzufrieden, dass Schwarz-Gelb seine Mehrheiten im Bund wie im Land eingebüßt hat“, sagt Oesterling und muss gegen eine unglaubliche Lärmglocke in den Römer-Wandelhallen anreden. Der Oberbürgermeister nickt.

Josef stellt heraus: „Wir sind neben der CDU die einzige Partei, die zugelegt hat.“ Und ganz rasch blickt die SPD-Spitze auf das nächste große Ziel: Die Kommunalwahl 2016. Josef: „Das Ergebnis heute in Bund und Land ist eine gute Basis für die Kommunalwahl.“ Wenn die SPD weiter so erstarke, bestehe 2016 „die reale Möglichkeit für ein rot-grünes Bündnis in Frankfurt“. Feldmann ruft seine Partei dazu auf, „nicht traurig zu sein.“ Er sieht die Chance, dass die SPD bei den Kommunalwahlen 30 Prozent erreicht oder gar übertrifft.

Niemand in der Frankfurter SPD-Spitze hatte mit einem Sieg des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück und einer rot-grünen Bundesregierung gerechnet. Wohl aber ging die Hoffnung dahin, die schwarz-gelben Regierungen in Berlin und Wiesbaden zu sprengen.

"Ich hoffe auf einen SPD-Ministerpräsidenten"

Dass dies erreicht ist, lässt den früheren Bundestagsabgeordneten Gregor Amann von einem „Spitzenergebnis in Hessen“ sprechen. Die ersten Biere werden an der Theke geordert. „Wir haben das Tal der Tränen durchschritten“: So bilanziert Amann für seine Partei den Abend.

Auf den Bildschirmen wird gerade Spitzenkandidat Steinbrück im Willy-Brandt-Haus in Berlin für sein Ergebnis gefeiert. Doch im Römer richten die Sozialdemokraten ganz klar ihr Augenmerk auf eine rot-grüne Landesregierung mit Duldung durch die Linkspartei – obwohl sie ahnen, dass der Weg dahin noch steinig sein wird. „Es gibt jetzt ein sehr langes Ringen um die Macht in Wiesbaden“, prophezeit der frühere ehrenamtliche Stadtrat Dieter Bürger. „Ich hoffe auf einen SPD-Ministerpräsidenten“, sagt das ehrenamtliche Magistratsmitglied Eugenio Munoz del Rio.

Darauf stoßen die Sozialdemokaten im hinteren Teil der Wandelhallen an – nicht ohne Bangen. Der Stadtverordnete Roger Podstatny fürchtet, dass die SPD bei der Regierungsbildung in Hessen noch abgefangen werden könnte: „Ich traue denen auch Schwarz-Grün zu.“ Allgemeines Kopfschütteln. Mit einem solchen Seitenwechsel der Grünen rechnen hier sonst niemand.

Es gehört zu den Gesetzmäßigkeiten solcher Wahlabende, dass über die Verlierer nicht mehr gesprochen wird. Kaum jemand redet von Peer Steinbrück. Nur Lilli Pölt, das große alte Frankfurter SPD-Original, denkt mit Bedauern an den Spitzenkandidaten. Gerade am Anfang seiner Kampagne sei er „schlecht behandelt“ worden von den Medien, aber auch von Teilen seiner eigenen Partei. „Das finde ich mies“, sagt Pölt und nennt den Kanzlerkandidaten zugleich einen „Mann mit großem Wissen“.

Aber wen interessiert das jetzt noch? „Die Bundeskanzlerin hat ihr Wahlziel Schwarz-Gelb in Berlin nicht erreicht“, so interpretiert der stellvertretende Frankfurter SPD-Vorsitzende Eugen Emmerling die Resultate. Zu der Zeit melden die Hochrechnungen gerade eine absolute Mehrheit für Angela Merkel und die CDU im Bundestag.

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