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Hessen-Wahl in Wiesbaden Christdemokraten in Feierlaune

Die CDU gewinnt in der Landeshauptstadt alle Direktmandate, während die SPD enttäuscht. Bei der Wahlparty der FDP bleiben die Türen geschlossen.

23.09.2013 10:20
Silvie Bielert, Fabian Scheuermann und Ute Fiedler
Steht für ein Ministeramt nicht mehr zur Verfügung: Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) Foto: dpa

Um kurz vor 20.30 Uhr ist für Horst Klee (CDU) die Sache geritzt. Er steigt auf den für ihn reservierten Tisch, wie er es immer tut, wenn die Union eine Wahl gewinnt, schnappt sich das Mikrofon und gratuliert Kristina Schröder zum Bundestagsmandat, Astrid Wallmann zum Gewinn des Wahlkreises 30 und er selbst, nun ja, „da zeichnet sich auch ein Vorsprung ab“. Keine Überraschung: In Wiesbaden holen nach 2009 alle drei Kandidaten der Union das Direktmandat für Bundes- und Landtag.

Nicht überraschend ist anschließend auch das, was Bundesfamilienministerin Kristina Schröder verkündet, die neben Klee auf den Tisch gestiegen ist: Sie stehe für das nächste Kabinett nicht wieder als Ministerin zur Verfügung, sagt sie. Die Entscheidung stehe schon lange fest und sie habe bereits mit Angela Merkel gesprochen. Als Grund nennt Schröder, dass sie sich mehr um ihre Familie, vor allem um ihre Tochter Lotte, und auch ihr Bundestagsmandat kümmern wolle.

Stimmen an die AFD verloren

Während die Union gegen 20.30 Uhr also beschließt, endlich zu feiern, müssen die Genossen mit einer herben Enttäuschung klarkommen. „Ich bin wahnsinnig enttäuscht“, sagt Simon Rottloff, der mit Schröder um das Direktmandat für den Bundestag konkurriert hatte. „Die Stimmung war gut, und wenn ich sehe, dass wir knapp elf Prozent über dem Bundesschnitt liegen, kann ich nur sagen, dass wir alles richtig gemacht haben.“ Trotzdem habe es nicht gereicht. Als einen Grund nennt Rottloff, dass die Stimmen von FDP-Frau Dagmar Döring, die ihre Kandidatur zurückgezogen hatte, auf Schröder übergegangen seien.

Während die Türen zu den Wahlpartys der anderen Parteien weit geöffnet sind, bleiben die der FDP den ganzen Abend hindurch geschlossen. Schon die ersten Prognosen um 18 Uhr haben den Liberalen die gute Laune gründlich verdorben. Hinter der Tür steht ein enttäuschter Noch-Wirtschaftsminister Florian Rentsch, Direktkandidat im Wahlkreis 30. „Das ist ein katastrophales Wahlergebnis für die FDP. Nach diesem Wahlkampf hätten wir anderes verdient gehabt“, sagt Rentsch.

Zu diesem Zeitpunkt tauchen die Liberalen in der Sitzverteilung für den Landtag nicht mehr auf. Auch persönlich muss der hessische Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung bei den Erststimmen herbe Verluste verkraften. Bei den Erststimmen stürzt er von 12,7 Prozent auf 3,5 Prozent (Stand 23 Uhr) ab. „Das ist ein sehr trauriger Abend für uns, aber nicht das Ende der FDP.“ Eine Analyse will Rentsch nicht geben, glaubt aber, dass seine Partei Wähler an die AfD verloren hat. „Unsere erfolgreiche Regierungsarbeit hat wohl keine Rolle gespielt“, sagt er. Und auch, dass die FDP in Zukunft klar machen muss, dass sie „kein reines Korrektiv der CDU mehr ist“.

Grüne: Nur Mathias Wagner direkt in den Landtag

Große Enttäuschung ist trotz Stimmenverlust auf Bundes- und Landesebene bei den Grünen nicht zu spüren. Das mag daran liegen, dass weder Bundestagskandidat Andreas Romppel noch Landtagskandidatin Sibel Güler je eine Chance gehabt hatten – bedingt durch schlechte Listenplätze. Nur der Parlamentarische Geschäftsführer Mathias Wagner wird erneut in den Landtag einziehen. „Die Performance der Bundespartei hat den Landtagswahlkampf überschattet, obwohl wir in Hessen klare Schwerpunkte gesetzt hatten“, sagt er.

Bei der Linken wird indes kräftig der Wiedereinzug in den Landtag gefeiert. Allerdings werden weder die beiden Landtagskandidaten noch die Bundestagskandidatin Manuela Schon in die Parlamente einziehen. Entgegen dem Landestrend muss die Partei im Wahlkreis Wiesbaden sogar einen Verlust von fast drei Prozentpunkten hinnehmen. „Da hätten wir uns etwas mehr erhofft“, sagt Schon.

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