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Hessen Ärztekammer sieht Hirneingriff kritisch

Die Reihenuntersuchung in Kinderheim könnte gegen das „Genfer Gelöbnis“ verstoßen haben. Die Landesärztekammer ist alarmiert.

Schädel
Der Schädel eines Jungen. Foto: privat

Die Landesärztekammer Hessen beurteilt die offenbar systematische Untersuchung von Heimkindern mit einem schmerzhaften Hirneingriff in den 50er Jahren kritisch. Die Nebenwirkungen und Gefahren dieser Operation namens Pneumenzephalographie seien „im Jahr 1957 bereits sehr gut bekannt“ gewesen, schreibt die Ärztevertretung in einer Stellungnahme auf Anfrage der Frankfurter Rundschau.

Wenn die an den Kindern durchgeführten Pneumenzephalographien zu Forschungszwecken erfolgt seien, die mutmaßlich keine therapeutischen Konsequenzen für die betroffenen Kinder gehabt hätten, handele es sich um einen Verstoß gegen das 1948 vom Weltärztebund verabschiedete „Genfer Gelöbnis“. Darin heißt es: „Die Gesundheit und das Wohlbefinden meines Patienten wird oberstes Gebot meines Handelns sein.“

Der Neurologe Willi Enke soll als leitender Arzt der evangelischen Hephata-Einrichtung im nordhessischen Treysa in den 50er Jahren Pneumenzephalographien an Hunderten von Heimkindern – und möglicherweise auch an weiteren Schulkindern – vorgenommen haben. Das geht aus Artikeln und Reden von Enke und seinen Mitarbeitern hervor. Sie waren von der Filmemacherin Sonja Toepfer an die Öffentlichkeit gebracht worden, die im Auftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau forscht.

BGH setzt Grenzen

Bei der Enzephalographie wird durch die Punktion mit einer langen Nadel zwischen zwei Wirbelkörpern Liquor ab- und Luft in den Rückenmarkskanal eingelassen. Durch Umlagerung des Patienten steigt diese Luft dann im Rückenmarkskanal auf bis in das Ventrikelsystem des Gehirns. Patienten erleiden dabei starke Schmerzen und Bewusstseinsstörungen.

Bereits 1957 hatte der Bundesgerichtshof erklärt, die Pneumenzephalographie sei eine nicht ungefährliche Untersuchung. Sie dürfe grundsätzlich nur in Ausnahmefällen vorgenommen werden – und dann nach Möglichkeit mit dem Einverständnis des Patienten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Versuche an Kindern

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