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Hebammen Die Hälfte der Frauen bleibt unversorgt

In Wiesbaden kämpfen niedergelassene Hebammen um städtische Unterstützung.

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Mit Demonstrationen machen Frauen immer wieder auf das Problem aufmerksam. Foto: Monika Müller

Die Sorge um den Mangel an Hebammen treibt Judith Jeron schon seit Jahren um. In Wiesbaden fehlten so viele, dass etwa die Hälfte der Frauen, die ein Kind bekommen, nicht von niedergelassenen Hebammen versorgt werden könnten, sagt Jeron, Sprecherin der Gruppe Hebammen in Wiesbaden. Gerade Frauen, die die Unterstützung am notwendigsten bräuchten, gingen leer aus: die der Schwangerschaft ambivalent gegenüberstehen, kein Deutsch sprechen oder minderjährig sind. Ganz einfach, weil diese Frauen sich nicht so rechtzeitig und beharrlich um die Versorgung durch eine niedergelassene Hebamme kümmern können wie gebildete Frauen.

„Wir sind die einzige Berufsgruppe, der sich die Türen öffnen“, sagt Jeron: Kindeswohlgefährdung und schlechte Mutter-Kind-Beziehungen könnten Hebammen am ehesten feststellen, denn sie besuchen die jungen Mütter zu Hause. In Deutschland haben Frauen Anspruch auf ambulante Betreuung durch eine Hebamme vor und acht Wochen nach der Geburt, bei Bedarf länger. Hebammen schauen, ob der Nabel gut verheilt, zeigen der Mutter, wie sie das Neugeborene anlegen kann und wie es zu versorgen ist.

Kurzfristig sollten die Kommunen helfen

Die schlechte Bezahlung durch die Krankenkassen sei der wichtigste Grund, warum der Beruf immer unattraktiver werde, sagt Jeron. Für einen Rückbildungskurs könnten nur 5,80 Euro in der Stunde abgerechnet werden, für einen Hausbesuch 31 Euro - zu wenig, um die Anfahrt- und anderen Nebenkosten zu decken. Deshalb solle auch eine bundesweite Lösung her, die die Kassen zu höherer Vergütung für die Hebammenleistungen verpflichtete, sagt Jeron, langfristig.

Kurzfristig sollten die Kommunen helfen. Jeron kämpft seit zwei Jahren bei der Stadt Wiesbaden um Unterstützung. Jetzt sieht es so aus, als stehe eine Lösung bevor. Das Stadtparlament hat 30.000 Euro bewilligt, um in Schulen für den Beruf zu werben, ausgebildete Hebammen bei der Niederlassung finanziell zu unterstützen, sie in der Stadt zu halten und Fortbildungen anzubieten. Jeron und ihre Kolleginnen haben ein detailliertes Konzept vorgelegt. Details dazu werden im September geklärt.

Es müsste aber auch mehr ausgebildet werden, sagt Jeron. Einen Ausbildungsdurchgang an der Hebammenschule der Horst Schmidt-Kliniken in Wiesbaden etwa schließen nur etwa 15 Hebammen ab - alle drei Jahre. „Wir bilden nur für den eigenen stationären Bedarf aus“, teilt HSK-Sprecherin Simone Koch auf Anfrage mit. Dabei werde mit anderen Wiesbadener Kliniken kooperiert. Der nächste Kurs, der im Oktober beginnt, wird von 18 Auszubildenden besucht, davon haben elf mit den HSK einen Ausbildungsvertrag. 

Stadtrat Detlev Bendel (CDU) erinnert sich daran, dass die Hebammenschule der HSK früher über den eigenen Bedarf hinaus ausbildete. Weil die Kliniken in anderen Städten Südhessens sich finanziell nicht an der Ausbildung beteiligen wollten, sei vor rund zehn Jahren die Zahl der Auszubildenden reduziert worden. Laut Jerons Informationen würden sich rund 150 Personen für eine Hebammenausbildung bei den HSK bewerben. 

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