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Gut gebrüllt Danke für den Zoff

Wo wird man heute noch gelobt? In der Politik! Die Kolumne aus dem hessischen Landtag.

Gut gebrüllt, Pitt. Foto: FR

Es ist Zeit, um Ihnen unseren Dank auszusprechen, liebe Leserinnen und Leser. Danke, dass Sie unsere Berichterstattung über die hessische Landespolitik mit Aufmerksamkeit, Engagement und zahlreichen Anregungen begleiten.

Ich danke aber auch ganz herzlich allen Kolleginnen und Kollegen, die das Erscheinen dieser Kolumne möglich machen, in der Redaktion, der Druckerei und allen anderen Bereichen. Diese Berichterstattung wäre nicht möglich ohne die freundliche Unterstützung des hessischen Landtags, der Pressestellen von Parteien, Fraktionen und Ministerien und erst recht nicht ohne politischen Zoff. Danke, danke, danke.

Eigentlich müsste diese Kolumne regelmäßig mit solchen Danksagungen beginnen. Jedenfalls, wenn wir uns den politischen Gepflogenheiten anpassen würden.

Im Landtag, in den Pressekonferenzen und selbst in Pressemitteilungen wird regelmäßig gelobt und gedankt, was das Zeug hält. Kaum zu zählen sind die Stunden, in denen wir uns Lob und Preis für Lehrer und Richter, Polizisten und Straßenmeister, Krankenschwestern und Kindergärtnerinnen, Ehrenamtliche und Hauptamtliche, Engagierte und besonders Engagierte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für alle anderen anzuhören hatten.

Die Kunst des Lobens gehört zur Politik. In der Berichterstattung hat sie trotzdem nichts verloren, selbst wenn die Danksagung berechtigt ist. Aber heute holen wir alles nach.

„Ich danke allen hessischen Lehrerinnen und Lehrern, die mit ihrem Engagement und ihrem Fingerspitzengefühl im Unterricht und im Rahmen ihrer Tätigkeit als Prüferinnen und Prüfer einen entscheidenden Beitrag zum guten Ergebnis und zum reibungslosen Ablauf geleistet haben“, verkündete Kultusminister Alexander Lorz, als das Abi überstanden war. Genug gelobt? Keineswegs. „Nicht außer Acht lassen möchte ich auch die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Kultusministerium, den Staatlichen Schulämtern und der Hessischen Lehrkräfteakademie, die rund zwei Jahre Vorbereitungszeit investiert und zum Gelingen beigetragen haben.“

Klar, Minister wollen bei ihren Bediensteten einen guten Eindruck hinterlassen. Aber da haben sie die Rechnung ohne die Opposition gemacht. „Vom Innenminister kommen weder Motivation noch Wertschätzung“, beklagte SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser, als sie von Polizeirevier zu Polizeirevier reiste.

Also machte die Sozialdemokratin, die gerne Innenministerin werden würde, schon einmal vor, wie es geht: „Wir alle müssen den Beamtinnen und Beamten der hessischen Polizei dankbar sein, dass sie sich selbst jeden Tag aufs Neue für ihre verantwortungsvolle und oftmals auch gefährliche Arbeit motivieren.“ So kann man es auch sagen.

An Dankesworten also herrscht wahrlich kein Mangel in der hessischen Politik. Wobei manches Dankeswort lieber ungesagt bleibt. Linken-Fraktionschefin Janine Wissler etwa beobachtete verärgert den Seehofer-Merkel-Streit über die Flüchtlingspolitik. Der schadete den Unionsparteien und verhalf der AfD zu steigenden Umfragewerten. „Die AfD kann eine Dankeskarte in die CSU-Zentrale senden“, ätzte Wissler. Doch diesmal blieb der Dank für den Zoff aus.

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