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Gut gebrüllt: Aus dem hessischen Landtag Offene Baustellen

Die Politik kommt aus dem Containerdorf - drei Jahre lang. Die Kolumne aus dem hessischen Landtag.

Gut gebrüllt, Pitt. Foto: FR

Im Hessischen Landtag, direkt vor dem Büro der Frankfurter Rundschau, entstehen erstaunliche Bauwerke. Sie erinnern an ordentlich aufgeworfene Maulwurfshügel in vier Reihen mit schweren Betonplatten darauf. Aber welcher Maulwurf legt sich schon eine schwere Betonplatte aufs Dach?

Man könnte auch glauben, hier würden Hügelgräber nachgebaut oder das Fundament für eine Pyramide gelegt. Doch ganz so wahnwitzig ist das Projekt des Wiesbadener Landesparlaments denn doch nicht.

Aber bemerkenswert ist es wohl: Der Landtag wird um ein Containerdorf in seinem Innenhof erweitert. Dort hinein ziehen nicht etwa Flüchtlinge, sondern die Parlamentsbibliothek und mehr als ein Dutzend Büros, darunter die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Es sind die ersten sichtbaren Zeichen für die große Renovierung, die dem Parlament bevorsteht. Und zwar für lange Zeit, in jedem Fall bis tief in die nächste Legislaturperiode hinein. Wahrscheinlich bleibt das Containerdorf drei Jahre lang stehen. Genau weiß das noch niemand. Die heutigen und die künftigen Abgeordneten müssen damit leben.

Bombenschaden notdürftig repariert

Den Grund dafür lieferte eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwar nicht so spektakulär wie in Frankfurt, wo 60 000 Menschen für die Entschärfung ihre Wohnung verlassen mussten. Aber dafür umso nachhaltiger.

Im Ostflügel des Wiesbadener Stadtschlosses, in dem der Landtag seinen Sitz hat, war die Bombe eingeschlagen. Der schwere Schaden wurde nur notdürftig repariert. Jahrzehntelang merkte niemand, dass Dachstuhl und Wände undicht waren und feucht wurden. So konnte sich Hausschwamm ausbreiten. Deswegen muss das Dach nun erneuert werden. Zudem ist der Brandschutz des spätklassizistischen Hauses längst nicht mehr auf dem Stand, den er haben sollte. Daher muss gebaut werden. In zwei Wochen sollen die Fundamente für die Container fertig sein. Dann werden Notunterkünfte geliefert und in drei Stockwerken übereinandergestapelt. Die Wiesbadener sollten sich den 27. und 28. Oktober vormerken, wenn die Container spektakulär per Kran in den Landtag gehievt werden sollen.

Eingerüstet wird das Parlament erst im nächsten Frühjahr, nachdem alle internen Umzüge erledigt sind. Dann verschwindet das Stadtschloss der Nassauer hinter einer großen Plane. Wie einst beim Brandenburger Tor in Berlin oder bei der Frauenkirche in Dresden soll eine Abbildung des Gebäudes auf der Plane prangen und daran erinnern, was dahintersteckt.

Man könnte boshaft sagen, dass die Politik damit ihre hässlichen Seiten kaschiere. Aber eines kann niemand bestreiten, der die Gerüste sieht und den Baulärm hört: Im Landtag wird gearbeitet – künftig härter denn je.

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