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Gut gebrüllt: Aus dem hessischen Landtag Mit Hörnchen zum Gipfelchen

Der Energiegipfel von Ministerpräsident Voler Bouffier (CDU) war von blättriger Struktur und im Querschnitt porös. Oder gilt das nur für das Gebäck? Eine Antwort auf diese Frage hat unser Korrespondent Pitt von Bebenburg.

Gut gebrüllt, Pitt. Foto: FR

Die Hefe-Hörnchen sehen lecker aus. Aber sie tragen einen wenig appetitanregenden Namen, wenn sie an offizieller Stelle – etwa in Volker Bouffiers Staatskanzlei – offeriert werden. Es handelt sich nämlich um das Produkt „PL/IGP/005/0584“ nach der EU-Verordnung 510/2006.

So war es am Freitag in der Staatskanzlei zu lesen, wo die Backwaren mit Mohnfüllung den Appetit von Vertretern der hessischen Partnerregionen stillten. Immerhin stand auch der volkstümliche Name dabei: St. Martins-Hörnchen.

Das zur Jahreszeit passende Gebäck stammt aus der Wielkopolska, der polnischen Partnerregion Hessens, und trägt daher eine von der Europäischen Union geschützte Bezeichnung. Der Name „Rogal swietomarcinski“ (Posener Martinshörnchen) darf natürlich nur verwendet werden, wenn sie genau so sind, wie es in der Bibel der EU, dem Amtsblatt, steht: „Der gebackene Teig gibt bei Berührung elastisch nach, ist von blättriger Struktur und zeigt sich im Querschnitt als porös mit sichtbaren Lagen. Zur Mitte hin wechseln die gerollten Teiglagen zunehmend mit einer Mohnmasse ab, die die Füllung im Inneren des Hörnchens bildet und als von feuchter Konsistenz empfunden wird.“ Brüsseler Kulinarik vom Feinsten.

Immerhin kamen die Damen und Herren Regionalpräsidenten aus der Wielkopolska, der Aquitaine, der Emilia-Romagna und Bursa von ihrem Gipfeltreffen gemeinsam mit Bouffier zum Statement. Das kann man nicht von allen seinen Gesprächspartnern Woche behaupten.

Zum Wettlauf genötigt

Bei Bouffiers Energiegipfel etwa, der seinem aufstrebenden Titel zum Trotz eher ein Gipfelchen war, wollten Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) und René Rock (FDP) ihre Meinung schon in die Mikrofone sprechen, bevor das Gespräch zu Ende war. Also kündigten sie an, die Sitzung eine Viertel- beziehungsweise halbe Stunde vor dem Ende um 18 Uhr zu verlassen. Sie dachten wohl, wer zuerst komme, mahle auch zuerst.

Bouffier aber konterte. Dann ende die Veranstaltung eben schon um 17.30 Uhr, stellte er fest. Das nötigte die Männer von SPD und FDP zu einem neuen Wettlauf. Jetzt mussten sie sich noch früher verabschieden, um vor Bouffiers Erfolgsbericht verkünden zu können, es sei nichts rausgekommen. Das hatte Rock den Journalisten auch schon schriftlich geschickt – mitten aus dem Gipfel.

Bouffier reagierte eher amüsiert als erbost. „Wir sollten nachsichtig sein“, kommentierte er väterlich. Und überhaupt kenne er das aus Sitzungen: In den Presseerklärungen lese er „immer viel mehr als die sagen, wenn sie vor mir sitzen“.

Pitt von Bebenburg berichtet über Hessen und Hörnchen. Und er twittert: @PvBebenburg

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