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Gut gebrüllt: Aus dem hessischen Landtag Jagdtrophäen

Unter den Politikerinnen im Landtag bricht das Jagdfieber aus. So manch einen Landtagsabgeordneten bringt das nicht nur wegen seiner Krawatte in Bedrängnis. Unser Korrespondent Pitt von Bebenburg erläutert, warum.

Gut gebrüllt, Pitt. Foto: FR

So viele Trophäen hat noch nie ein Regierungsmitglied auf der Regierungsbank präsentiert wie Umweltministerin Priska Hinz. Die Grüne hat sich nicht nur mit den Jägern angelegt. Sie brachte es an Weiberfastnacht auch auf neun Krawatten, die sie Ministern und Abgeordneten abgeschnitten vor ihrem Platz im Parlament aufgeklebt oder gleich ans Mikro gebunden hatte.

Ein rot-weißes Prachtexemplar stammte offensichtlich von ihrem Banknachbarn, dem Finanzminister Thomas Schäfer, der den kläglichen Überrest vom Hals baumeln ließ. Die meisten männlichen Abgeordneten hatten den Schlips gleich im Schrank gelassen. Bei Ministerpräsident Volker Bouffier war es höchst ungewohnt, dass er ohne Binder ans Rednerpult trat, bei seinem Vize Tarek Al-Wazir eher eine Reminiszenz an die Zeiten vor dem Eintritt der Grünen in die Regierung.

Das Umweltministerium twitterte ein Foto der Hinz’schen Jagdtrophäen stolz hinaus – allerdings war der Platz der Ministerin dahinter verwaist. Wo war sie verschwunden? Hinz antwortete prompt: „War auf Suche nach weiteren Krawatten und erfolgreich.“

Ausgerechnet diese Tage hatte sich Wikipedia ausgesucht, um die Einträge der Landtagspolitiker zu erneuern. Ein Raum war für Abgeordnete reserviert, sich fotografieren lassen wollten. Das Hinweisschild beruhigte: „Landtagskrawatten liegen bereit.“

Zu närrischen Zeiten sucht mancher nach Partnern, auch in der Politik. Die zweieinhalb Jahre bis zur nächsten Landtagswahl seien schnell vorbei, sagte der FDP-Sozialpolitiker René Rock und machte den Sozialdemokraten in der Debatte über Kita-Gebühren schon mal ein Angebot.

Das Vorhaben der SPD, die Eltern von diesen Gebühren zu befreien, „könnte wirklich mal ein sozialliberales Projekt sein“, schlug Rock zur allgemeinen Überraschung vor. Bisher waren eher die Linken als Freunde der Gebührenbefreiung aufgefallen. Auf anderen Politikfeldern trennt SPD und FDP allerdings vieles.

So sollen nach Ansicht der SPD die Eltern entscheiden, auf welche weiterführende Schule ihr Kind gehen soll, während die FDP der Empfehlung der Grundschulen ein größeres Gewicht geben will, wenn Plätze an Gymnasien knapp werden. „Wir sagen, die Entscheidung soll bei den Eltern liegen“, betonte der Grüne Daniel May. Diese Position, befand der SPD-Bildungspolitiker Christoph Degen, biete doch „ Anknüpfungspunkte für eine rot-grüne Bildungspolitik“.

Doch die Grünen sind ja gebunden und mit dem Partner CDU meistens einig. Ein Zerwürfnis ist nicht in Sicht – es sei denn, die Christdemokraten nähmen Hinz den Griff zur Schere übel.

Pitt von Bebenburg berichtet über Politik mit und ohne Krawatte. Und er twittert: @PvBebenburg

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