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Gut gebrüllt: Aus dem hessischen Landtag Der Zitate-Kommunist

Ein hessischer CDU-Minister lässt nichts auf den Vietnams Revolutionär Ho Chi Minh kommen. Wer könnte das sein? Unser Korrespondent Pit von Bebenburg verrät es.

Gut gebrüllt, Pitt. Foto: FR

Als Ho Chi Minh so alt war wie Boris Rhein heute, hatte er bereits in vielen Teilen der Welt gelebt, eine Kommunistische Partei gegründet und war zum Tode verurteilt worden. Das alles ist Rhein erspart geblieben.

Der CDU-Politiker war noch nicht geboren, als Ho Chi Minh im Jahr 1969 starb. Der konservative Frankfurter hätte aber auch wohl kaum zu jenen gezählt, die in der 68er Bewegung „Ho-, Ho-, Ho Chi Minh“ skandierten.

Heute allerdings lässt der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst nichts auf den kommunistischen vietnamesischen Widerstandskämpfer und späteren Staatspräsidenten kommen. So entfuhr Mathias Wagner, dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden, ein „Bo-, Bo-, Boris Rhein!“, als der Minister mit einem Spruch des Revolutionärs aufwartete.

Schon schwant dem zweiten Mann der SPD-Fraktion, Günter Rudolph, Arges für die nächste Woche. „Da wird uns Herr Rhein wieder beglücken mit irgendwelchen Ho-Chi-Minh-Zitaten“, stöhnt er.

Wobei das nicht ganz einfach einzuflechten sein dürfte. Rhein hat eine Regierungserklärung über 70 Jahre Hessen angekündigt – und Ho Chi Minh hat sich, soweit wir wissen, nie über Hessen geäußert. Andererseits lautet der Titel von Rheins Rede „Kultur stiftet Identität, Verbundenheit und Vielfalt“ – und dazu hätte „Onkel Ho“ sicher etwas zu sagen.

Rheins Begeisterung wurzelt in der deutsch-vietnamesischen Universität, die eigentlich eine hessisch-vietnamesische Hochschule ist. Sie hat ihren Sitz in Saigon, das offiziell heute Ho-Chi-Minh-City heißt. Im Oktober erst hat Rhein am Spatenstich für ein Unigebäude teilgenommen.

Aber der Kulturminister treibt das Spiel mit den Vorbildern der Linken noch weiter. Zum hessischen Denkmalschutztag zitierte er gar Karl Marx. Wer weiß, womit der Zitate-Kommunist Rhein den Landtag diesmal überrascht.

Wenn es darum gehen sollte, darbende Künstler auf die Zukunft zu vertrösten, könnte er auf „Onkel Ho“ zurückgreifen. Der soll gesagt haben: „Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht.“

Pitt von Bebenburg berichtet im Winter, Frühling, Sommer und Herbst aus dem Landtag. Und er twittert: @PvBebenburg

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