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Glyphosat in Hessen Hessen soll ohne Glyphosat auskommen

Ministerin Hinz will die Bemühungen zu einer Landwirtschaft ohne Glyphosat in Hessen forcieren. Die Landwirte befürchten indes einen Wettbewerbsnachteil.

Glyphosat
Glyphosathaltige Herbizide sollen von Hessens Feldern verbannt werden. Foto: Steffen Schellhorn (epd)

In Hessen sollen möglichst schnell keine glyphosathaltigen Herbizide mehr zum Einsatz kommen. Wie Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Grüne) mitteilte, gilt dieses Ziel für die gesamte Landwirtschaft, für Wälder, Gärten und Freiflächen. Das Land gehe mit gutem Beispiel voran: Im Staatswald werde seit 2016 kein Glyphosat eingesetzt. Auch auf den selbst bewirtschafteten Betrieben, wie dem Eichhof in Bad Hersfeld oder der Domäne Beberbeck, sei der Ausstieg vollzogen. Bei Wiederverpachtungen von Staatsdomänen werde der Verzicht auf Glyphosat Bestandteil der Pachtverträge. Die anderen Pächter würden vom Ministerium unterstützt.

Landwirte auf nichtstaatlichen Arealen informiert die allgemeine landwirtschaftliche Beratung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH). „Die große Nachfrage nach dieser Beratung zeigt, dass in der Landwirtschaft ein Umdenkprozess stattfindet“, sagte Hinz. Die breite Öffentlichkeit sehe den Einsatz von Glyphosat ohnehin kritisch. „Wir müssen die alternativen Ansätze verstärkt nutzen und weiterentwickeln“, forderte sie und nannte als Beispiel den Anbau resistenter Sorten oder mechanische Verfahren. Und Hessen dürfe keine Insel sein. „Wir brauchen den Ausstieg bundes- und europaweit.“

Voriges Jahr hatte die EU-Kommission die Genehmigung des Wirkstoffs für weitere fünf Jahre verlängert. Sollte Hessen ihn verbieten, bedeute das Wettbewerbsnachteile, gibt Peter Voss-Fels, der Präsident des Hessischen Bauernverbands, zu bedenken. Auch einen bundesweiten Alleingang lehnt er ab. „Da wünsche ich mir für alle Bauern in Europa eine Gleichbehandlung.“ Glyphosat werde nicht wahllos eingesetzt: „Die mechanische Unkrautbekämpfung geht nicht in nassen Jahren“, sagt Voss-Fels. Und es gebe Gräser, die gegen alles andere resistent seien.

Marjana Schott von der Linken-Fraktion bezweifelt, dass das Land den Ausstieg vorantreibt: Für öffentliche Flächen gelte zwar ein Verbot des Glyphosateinsatzes. Der könne aber auf Antrag genehmigt werden – etwa bei Gleisanlagen der Bahn. Selbst auf landeseigenen Flächen werde der Wirkstoff verwendet.

Auch lokale Aktivitäten gibt es. Im März hat sich das Aktionsbündnis glyphosatfreies Frankfurt gegründet. Sein Vorwurf: Offiziell werde der Wirkstoff in den Parkanlagen, auf den Gehwegen oder Spielplätzen zwar nicht verwendet. Dennoch setze das Grünflächenamt auch Glyphosat ein. Wo und in welcher Menge sei unbekannt. Landwirtschaftliche Flächen seien komplett vom Verbot ausgeschlossen. Die Vize-Fraktionschefin der Grünen, Ursula auf der Heide, hatte jüngst bei einer Diskussion der Union Blockade vorgeworfen. An der CDU im Stadtparlament scheiterten bislang die Bemühungen der Dreierkoalition, einen stufenartigen Ausstiegsplan zu entwickeln.

 

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