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Gewalt gegen Frauen In Hessen gibt es Hunderte verstümmelte Frauen

Mehr als 500 Frauen in Hessen wurden laut Sozialministerium Opfer einer Genitalverstümmelung. Die Zahl der tatsächlich Betroffenen könnte noch deutlich höher sein.

Ausstellung gegen Genitalverstümmelung im Völkerkundemuseum Hamburg. (Symbolbild) Foto: Imago

Im Jahr 2016 kamen 572 Frauen in Hessen zum Arzt mit einer Genitalverstümmelung. Im ersten Halbjahr 2017 waren es weitere 264. Die wahre Zahl der Betroffenen wird allerdings weitaus höher sein, heißt es in einer Antwort des Sozialministeriums auf eine SPD-Anfrage. „Es ist von einer Untererfassung auszugehen.“

Denn in dieser Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sind einzig gesetzlich Versicherte erfasst, die sich zudem einem Arzt anvertraut hatten. 

„Andere objektive Zahlen liegen nicht vor“, schreibt das Ministerium. Wie aus der Antwort weiter hervorgeht, haben keineswegs alle betroffene Frauen das Recht auf medizinische Maßnahmen zur Rekonstruktion. Einzig bei anerkannten Asylberechtigten übernehmen die jeweiligen Krankenkassen die Kosten. „Unzureichend“ sei diese Regelung, meint die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Daniela Sommer. „Was ist mit den anderen Frauen“, fragt sie und: „Welchen Beitrag leistet die schwarz-grüne Landesregierung an dieser Stelle überhaupt?“

Bei der weiblichen Genitalverstümmelung werden die äußeren Geschlechtsorgane ohne Betäubung teils oder total entfernt. Begründet wird der meist dilettantische und schmerzhafte Eingriff an Kindern oder Pubertierenden mit Tradition. Verbreitet ist sie vor allem im westlichen und nordöstlichen Afrika, im Jemen, Irak, in Indonesien und Malaysia. Internationale staatliche Organisationen wie nichtstaatliche stufen sie als Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit ein.

In Hessen spielt das Thema bei Schulungen und in der Ausbildung von Jugendamtsmitarbeitern, Sozialarbeitern, Sozialpädagogen, Lehrern, Polizisten und Ärzten keine Rolle. „Es besteht jedoch die Möglichkeit der Weiterbildung“, heißt es in der Antwort des Ministeriums. In den Seminaren der Polizeiakademie Hessen etwa werde über weibliche Genitalverstümmelung ebenso gesprochen, wie über Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Kindesmisshandlung oder Gewalt in der Partnerschaft. Nicht nur die strafrechtliche Bewertung spiele dabei eine Rolle, es gehe auch darum, Hilfsangebote aufzuzeigen.

Wie das Ministerium weiter ausführt, leisten die Beratungsstellen von Pro Familia und die Sozialdienste in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge Prävention und Aufklärung. Betroffene finden Hilfe in Gesundheitsämtern, etwa in Frankfurt oder Wiesbaden. Außerdem gebe es Beratungstellen und Selbsthilfegruppen. 

Weiteren Handlungsbedarf sieht das Land offensichtlich nicht, folgert SPD-Gesundheitsexpertin Sommer. Sie fordert die Regierung auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und sich für Verbesserungen der in Hessen lebenden betroffenen Frauen einzusetzen. „Es reicht nicht aus, dass sich Schwarz-Grün mit dem Status quo zufrieden gibt und höchstens an jährlichen Aktionstagen die Stimme erhebt.“ 

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