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Frankfurt CDU-Politikerinnen kündigen Kampfkandidatur an

Die Mandate der Frankfurter CDU im Hessischen Landtag sind ausschließlich von Männern besetzt. Frauen in der Partei wollen das ändern und kündigen Kampfkandidaturen an.

Wahl
Am 28. Oktober 2018 ist Landtagswahl in Hessen. Foto: dpa (Archiv)

Der Frankfurter CDU stehen spannende Tage bevor. Auf gleich zwei Parteitagen wollen sich die Delegierten darauf einigen, wer für die Christdemokraten am 28. Oktober 2018 in den Hessischen Landtag einziehen soll. Sechs Kandidaten-Plätze in den sechs Frankfurter Wahlkreisen sind zu vergeben, plus sechs Plätze für die Nachrücker. Derzeit sind die sechs Mandate der Frankfurter CDU im Hessischen Landtag ausschließlich von Männern besetzt.

Das wollen sich die Frauen in der Union nicht länger gefallen lassen. „50 Prozent der Wähler sind Frauen und entsprechend kann die Frankfurter CDU nicht mit einer reinen Herrenriege ins Rennen gehen“, heißt es seitens der Frauen-Union, die Kampfkandidaturen ankündigt. Dabei wird wohl auch der in der Partei übliche Proporz zwischen dem wirtschaftsnahen MIT-Flügel und dem arbeitnehmerfreundlichen CDA-Flügel unterlaufen.

Außerdem stellen sich auch Kandidaten zur Wahl, die nicht die Unterstützung der Parteispitze haben - so etwa im Wahlkreis 35 (Bockenheim, Hausen, Heddernheim, Niederursel, Praunheim, Rödelheim).

Dort tritt der Immobilienberater Ulrich Caspar nicht mehr an. Der 62-Jährige saß insgesamt 14 Jahre im Landtag und will sich künftig mehr um seine Geschäfte kümmern.

Um seine Nachfolge ringen der aufstrebende sicherheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, Christoph Schmitt,  und Veljko Vuksanovic, der stellvertretende Ortsvorsteher im Ortsbeirat 7. Der  Immobilienkaufmann Vuksanovic wollte im vergangenen Jahr noch höher hinaus und in den Bundestag einziehen. Damals scheiterte er mit seiner innerparteilichen Kampfkandidatur an Matthias Zimmer, der für die CDU seit 2009 im Bundestag sitzt.

Auch diesmal unterstützt die Parteiführung nicht Vuksanovic, sondern Christoph Schmitt. Der Marathonläufer und Anwalt Schmitt, Partner in der Kanzlei Beiten Burkhardt, war zuletzt als Nachfolger des Frankfurter CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael zu Löwenstein im Gespräch. Das klappte aber nicht. Denn zu Löwenstein, der eigentlich in den Bundestag wollte, scheiterte 2016 an der Kampfkandidatur der früheren hessischen Landtagskandidatin Bettina Wiesmann und blieb auf seinem Posten. Nun strebt Schmitt den Sprung in den Hessischen Landtag an.

Heftig umkämpft ist auch der Wahlkreis 38 (Nordend, Bornheim und Ostend). Dort positionieren sich zwei Frauen gegen Bodo Pfaff-Greiffenhagen. Pfaff-Greiffenhagen, Sachverständiger für Wirtschaftskriminalität im Frankfurter Polizeipräsidium, war im vergangenen Jahr für Bettina Wiesmann, die in den Bundestag einzog, in den Landtag nachgerückt.

Nun will die Frauen-Union das Landtagsmandat wieder mit einer Frau besetzen. Sie unterstützt die Kandidatur von Veronica Fabricius. Die Unternehmerin und Vermögensverwalterin ist Mutter von drei Kindern und in der erzkonservativen Unions-Vereinigung „Christdemokraten für das Leben“ engagiert, die Abtreibungen ablehnt. Gegen Fabricius und Pfaff-Greiffenhagen geht eine weitere Frau ins Rennen: die Kinderbeauftragte für das Nordend, Ulrike Grzimek.

Das personelle Gerangel in der Frankfurter CDU knüpft an eine Entwicklung an, die die Partei seit 2016 prägt. Damals schlug der frühere Parteichef Uwe Becker den Fraktionschef Michael zu Löwenstein als Kandidaten für den Bundestag vor. Die damalige Landtagsabgeordnete Bettina Wiesmann trat in einer Kampfkandidatur an – und gewann das innerparteiliche Gefecht. Becker, der damals noch Frankfurter Oberbürgermeister werden wollte, war geschwächt. Die Machtverhältnisse in der Frankfurter CDU waren durcheinandergewirbelt.

Daraufhin kurbelte Bernadette Weyland, damals Finanzstaatssekretärin, ihre Kampagne als Kandidatin zur Oberbürgermeister-Wahl in Frankfurt an. Uwe Becker zog kurze Zeit später seine seit Jahren herbeigesehnte OB-Kandidatur zurück. Er trat auch als Parteichef zurück, um sich mehr um seine Aufgaben als Bürgermeister, Kämmerer und um seine Familie kümmern zu können, wie er sagte.

Jan Schneider, der 36 Jahre alte Frankfurter Baudezernent, der am Samstag als Kreisvorsitzender bestätigt wurde, folgte Becker nach. Falls Weyland es nicht schaffen sollte, zur Frankfurter Oberbürgermeisterin gewählt zu werden, wäre Schneider der meistversprechende Kandidat für die OB-Wahl in sechs Jahren, ist mittlerweile oft zu hören. Dass Schneider die Partei hinter sich vereint hat, zeigte der Parteitag am Samstag. Als es den MIT-Mann Christoph Fay in den Parteivorstand drängte, erfüllten die Delegierten Schneiders Wunsch, die von ihm vorgeschlagenen Kandidaten zu bevorzugen und nicht Fay.

Am Dienstag wird der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier die Delegierten mit einer 45 Minuten langen Rede auf die Wahl der sechs Landtagskandidaten einstimmen.

Während zwei von sechs Wahlkreisen umstritten sind, haben sich in den verbleibenden vier keine Gegenkandidaten in Stellung gebracht. Darüber kann sich unter anderem der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, freuen. Der 46-Jährige, der gerade seinen Sitz im Vorstand der Frankfurter CDU aufgegeben hat, tritt ohne Gegenkandidatin oder Gegenkandidat im Wahlkreis 39 (Nordosten) an.

Ohne parteiinterne Konkurrenz stellt sich der 61 Jahre alte Landtagsabgeordnete Ralf-Norbert Bartelt im Wahlkreis 36 (Stadtmitte) zur Wahl. Unangefochten geht auch Uwe Serke im Wahlkreis 34 (Frankfurter Westen) ins Rennen. Und gegen Michael Boddenberg, den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Hessischen Landtag, will sich ebenfalls niemand behaupten.
Gerungen wird erst wieder, wenn es um die Wahl der Ersatzkandidaten geht. Sie rücken in den Landtag nach, falls ein Abgeordneter das Parlament verlässt.

Als Ersatzkandidatin im Wahlkreis 34 bewirbt sich die 58 Jahre alte Marita Schäfer, Vorsitzende der CDU in Nied, unterstützt von der Frauen-Union.

Als Ersatzkandidatin im Wahlkreis 35 schlägt die Frauen-Union die 36-Jährige Debora Rieser aus der Bockenheimer CDU vor. Gegen sie tritt der 55-Jährige Ortsvorsteher im Ortsbeirat 8, Klaus Nattrodt, an.

Im Wahlkreis 36 wollen der Stadtverordnete und Vermögensberater Albrecht Kochsiek sowie die Lehrerin Sarah Steinhardt als Ersatzkandidaten aufgestellt werden. Kochsiek wird von der Parteispitze unterstützt, Steinhardt bekommt Rückhalt von der Frauen-Union.

Unangefochten soll Martin-Benedikt Schäfer, Vorsitzender der Jungen Union in Frankfurt, mit rund 1000 Mitgliedern, Nachrücker im Wahlkreis 37 werden. Im Wahlkreis 38 schlägt die Frauen-Union die Schulleiterin Sabine Fischer als Ersatzkandidatin vor.

Im Wahlkreis 39 will der 29 Jahre alte Yannick Schwander, Ortsvorsteher im Ortsbeirat 13, Ersatzkandidat werden. Gegen ihn tritt die 50 Jahre alte Carolin Friedrich, Ortsvorsteherin im Ortsbeirat 12, an, unterstützt von der Frauen-Union.

Nun muss sich zeigen, ob sich die Frauen in der Frankfurter CDU durchsetzen können.

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