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Frankfurt Bessere Ausstattung, mehr Personal

In Frankfurt demonstrieren mehr als 1000 Menschen gegen die Bildungspolitik der Hessen-CDU.

Bildungsdemo
Der Schülervertreter Luc (rechts) ist aus Bensheim zur Bildungsdemo nach Frankfurt gekommen, als Einziger aus seiner Schule. Foto: Rolf Oeser

Mit welchem Problem sie beginnen sollen, wissen die Grundschullehrerinnen D. und S. nicht. Zu viele Baustellen seien es. Inklusion, Personal, Infrastruktur. Alles belastet. „Wir verdienen weniger als Lehrer an anderen Schulformen, haben aber mehr Pflichtstunden“, sagt D. 

Die beiden Frauen arbeiten an einer Schule im mittelhessischen Laubach. Am Samstag sind sie neben mehr als 1000 weiteren Demonstranten nach Frankfurt gekommen, dem Aufruf der Gewerkschaften, der Landesschülervertretung Hessen und weiterer Vereine folgend. „Bildung braucht bessere Bedingungen“, lautet ihre Forderung, mit der sie durch die Innenstadt ziehen. Es sind viele, die sich dem Demonstrationszug anschließen. Vom Kindergarten- bis zum Hochschulmitarbeiter. „Ich kann euch gar nicht sehen, aber ihr wollt doch gesehen werden“, ruft eine Frau von der Bühne her den Menschen zu und fordert auf, wer möchte, dürfe auch auf die Bühne kommen und sagen, was ihn störe.

„Mich kotzt das an“, bekennt sogleich ein schmächtiger junger Mann, der gerade sein Abitur abgelegt hat. Wen er meint? Die Christdemokraten in Wiesbaden, ihre Bildungspolitik und ihre inhaltsleeren Sonntagsreden. Der eigentliche Sündenbock ist für die meisten derselbe: Kultusminister Alexander Lorz. „Ich ertrage diesen Kultusminister nicht mehr“, ruft eine Frau und erntet Beifall.

Sofortprogramm für die Bildung gefordert

Luc und Mika sind aus Bensheim angereist, beide Gymnasiasten, beide in der Schülervertretung. Von ihrer Schule sind sie die Einzigen hier. Am Montag beginne ja die Kursfahrt, und einige müssten noch packen, sagt Luc. Dabei gehe es doch um nicht weniger als die Zukunft, sagt er. „Klingt was hochgestochen, stimmt aber.“ 16 Jahre jung ist er und redet über soziale Ungerechtigkeit. An seiner Schule gebe es die zwar nicht, oft aber beispielsweise an Realschulen. Schließlich seien die Schüler da ja nicht dumm, sondern würden zuweilen durch soziale Verhältnisse hinuntergezogen mitsamt ihren Noten. Seine Forderung deshalb: Mehr Geld für mehr Lehrer, damit kein Schüler zurückbleibt. „Im Geiste sind wir alle gleich, nur Schule teilt in arm und reich“, hat er auf ein Plakat geschrieben.

Die Forderung der Demonstration ist ein Sofortprogramm für die Bildung in Höhe von 500 Millionen Euro. Welche Investitionen damit im Detail getätigt werden sollen, davon hat jeder seine eigenen Vorstellungen. 1000 neue Stellen an hessischen Universitäten wünscht sich etwa ein Hochschulmitarbeiter, der nach eigener Auskunft eine 50-Prozent-Stelle habe, aber 100 Prozent arbeiten müsse. Außerdem fordert er die Entfristung von 2000 weiteren Stellen. Bevor sich der Zug in Frankfurt in Bewegung setzt, gibt die Frau auf der Bühne noch eine Parole mit auf den Weg: „Solidarisieren – mitdemonstrieren“.

Zeitgleich machen am Samstag auch in Kassel fast 1000 Menschen ihrem Unmut über die Situation an Schulen und Kindergärten in Hessen Luft. Auch hier mit einem Meer roter und weißer Luftballons; Rasseln und Paukenschläge begleiten die Demonstranten. (mit dpa)

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